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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2015
Hat Hass eine Religion?
Die perfide Taktik des islamistischen Terrors
Der Inhalt:

Und sogleich verdorrte der Knabe

von Hartmut Meesmann vom 30.01.2015
Es gibt Texte über das Leben Jesu, die von den Christen der ersten Jahrhunderte nicht in ihre offizielle Textsammlung aufgenommen wurden. Warum, das entdeckt der Bibelkreis einer Gemeinde in munterer Lektüre

Der fünfjährige Jesus geht durchs Dorf. Da rennt ein Knabe an ihm vorbei und rempelt ihn an. »Und Jesus wurde erbittert und sagte zu dem Kind: ›Du sollst deinen Weg nicht weitergehen!‹ Und alsbald fiel es hin und verstarb.« Schon vorher wird berichtet, wie der kleine Jesus einen anderen Jungen in den Senkel stellt, weil der es beim Spielen gewagt hatte, einen Abfluss genau dort anzulegen, wo Jesus Wasser in einer Grube gesammelt hatte. »Und sogleich verdorrte der Knabe ganz und gar«, heißt es in der »Kindheitserzählung des Thomas«. Jesus ist der große, göttliche Magier. Er heilt, aber er vernichtet auch.

In dem kleinen Bibelkreis lesen wir die sogenannten »Apokryphen«. Das sind Erzählungen aus dem Leben Jesu von Nazareth, die von den ersten Christen nicht in die offizielle Textsammlung (Kanon) aufgenommen wurden, entweder weil man den Inhalt als falsch oder unsinnig empfand oder weil er allzu fantastisch erschien. Die Juristin, der IT-Fachmann, der Fotograf und der Diakon sind neugierig, was es denn mit diesen Texten auf sich hat. Keiner kennt sie, auch Paul, Diakon im Ruhestand und Hobby-Exeget, hat nicht alle gelesen.

Die Forscher vermuten, dass die Kindheitserzählung des Thomas im zweiten, wenn nicht gar im dritten Jahrhundert nach Jesu Geburt verfasst wurde: als erbauliche Erzählung. Von wem, weiß man nicht. Aber es muss sich um eine damals recht beliebte Erzählung gehandelt haben. Sie wurde in viele Sprachen übersetzt.

Jesus erscheint hier wie ein Willkürherrscher. So stellte man sich anscheinend Gott vor. Vorbilder waren wohl die römischen und jüdischen Herrscher. Kein Wunder, dass in der Erzählung die Dorfbewohner zum ratlosen Josef eilen und ihn bitten, das Dorf mit diesem schrecklichen Kind zu verlassen. »Oder bring ihm bei, zu segnen und nicht zu fluchen!«, raten sie. Jesus hatte auch noch zwei Hauslehrer als dumme Trottel vorgeführt.

»Wie kann man denn so etwas schreiben und glauben, man könne damit die Menschen für Jesus gewinnen«, entfährt es Heinz, dem IT-Mann in unserer Runde. Er schüttelt verständnislos den Kopf. Tja, das waren andere Zeiten damals.

Römerfreundlich – judenfeindlich

Ein ganzes Wochenende haben wir uns Zeit genommen, um einige ausgewählte apokryphe Texte zu lesen. Darunter das Petrus-Evangelium. In ihm werden das Leiden, der Tod und die Auferstehung

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