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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2015
Hat Hass eine Religion?
Die perfide Taktik des islamistischen Terrors
Der Inhalt:

Kolumne von Anne Lemhöfer: Jetzt will ich’s wissen

vom 30.01.2015

Man muss sich ja etwas vornehmen für ein neues Jahr. Wäre ich 18 oder 19 Jahre alt, ich würde mich für ein Studium der Islamwissenschaften einschreiben. Leider bin ich fast doppelt so alt und habe viele andere Dinge zu tun. Trotzdem möchte ich mich 2015 ausführlich mit dem Islam beschäftigen.

Ich hatte diesen Plan bereits im Herbst gefasst, als der Name einer französischen Satirezeitschrift noch nicht jedem Menschen in Deutschland etwas sagte. Als der Schrecken, der mich seit dem entsetzlichen Anschlag auf die Kollegen in der Pariser Redaktion von Charlie Hebdo nie wieder verlassen hat, noch nicht da war.

Jetzt ist er da.

Es ist lange her, dass ich faktisch nonstop Nachrichten geschaut, gelesen, gehört habe, so wie jetzt.

Das alte Jahr ging mit Pegida zu Ende. Mit Diskussionen über Menschen am rechten Rand des politischen Spektrums. Und über solche, die sich bloß irrlichternderweise an einem Montag auf einer Demonstration wiederfanden, weil »diffuse Ängste« sie umtrieben.

Ich kenne niemanden, der Pegida gut findet. Allerdings rutschen selbst einigen Freunden, Bekannten, Weggefährten aus Unitagen zunehmend Merkwürdigkeiten heraus, wenn es um den Islam geht. Es sind tolle, aufgeklärte, im linken Denken geübte Leute; wir haben zusammen gegen Atomkraft und eine restriktive Flüchtlingspolitik demonstriert. Doch etwas hat sich geändert, auch bei etlichen Pegida-Schlechtfindern.

An unserer Bushaltestelle wurde ich Zeugin, wie zwei Mütter nur anderthalb Gesprächsminuten brauchten, um von den Enthauptungen im Nordirak zum Martinsfest in der Kita ihrer Kinder zu kommen, das jetzt »wegen der Muslime« Laternenfest heiße.

Bei einem Abendessen ging es um den »Islamischen Staat«. Zu später Stunde formulierte ein Freund in einem verschwurbelten Satz, dass »das westliche Modell der Toleranz« vielleicht doch »keine Andockpunkte« in »der muslimischen Kultur« finde und man vielleicht doch …

Hier endete der Satz. Was sollte man »vielleicht doch«? Endlich einsehen, dass »die« »nun mal« anders ticken als wir? Mir machen diese ins Leere laufenden Sätze Angst.

Die unterschwellige Panik vor dem Islam, vor einer Weltreligion mit über 1,5 Milliarden Gläubigen, betrifft längst nicht

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