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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2014
»Eine Schande für den Westen«
Hans-Christian Ströbele über Edward Snowdens Enthüllungen und die Folgen
Der Inhalt:

Der Mann fürs Netz

von Mandy Ganske-Zapf vom 31.01.2014
Aufgefallen: Vor den Olympischen Spielen in Sotschi: Der Blogger Alexej Sidorenko setzt sich gegen die staatliche Kontrolle des Internets zur Wehr

Alexej Sidorenko sitzt da, die Beine lässig übereinandergeschlagen, seine Augen blicken durch eine Brille mit dickem schwarzem Rand. Der gebürtige Moskauer spricht an diesem Januarabend in Berlin von der Kontrolle über das Internet in Russland, als Referent auf einem Podium von Reporter ohne Grenzen.

Vor Olympia in Sotschi ist das ein großes Thema. Denn am 1. Februar tritt ein neues Gesetz in Kraft, das der russischen Regierung vor dem Beginn der Olympischen Spiele am 8. Februar einen größeren Spielraum beim Sperren von Webseiten gibt als je zuvor. Doch der 29-Jährige verfolgt das Thema schon über Jahre. Als Webanalyst war er für das weltweite Bloggernetzwerk Global Voices Online aktiv, für die internationale Organisation Freedom House und für Reporter ohne Grenzen selbst. Für Sidorenko ist alles, was in Russland in der Netzpolitik passiert, Teil einer längerfristigen Entwicklung: Seit Langem setzt der Kreml unerwünschte Inhalte auf schwarze Listen. Sidorenko ist überzeugt, dass diese Praxis nicht zufällig seit den Massenprotesten gegen Ministerpräsident Putin im Dezember 2011 ausgeweitet wurde – während sie offiziell dem Kampf gegen Terrorismus dienen soll. Er ist sich sicher: »Mit Olympia hat das nicht angefangen, und mit Olympia wird es nicht aufhören.«

Es liegt ihm am Herzen, dass die kritische Öffentlichkeit im russischen Web keinen Schaden nimmt. Dieser Öffentlichkeit gehört er als Internetaktivist selbst an: Er leitet ein Bildungsprojekt, bei dem er russische Vereine und Verbände fit fürs digitale Zeitalter machen will. Unter www.te-st.ru kooperieren er und sein Team mit Wohltätigkeits- und Hilfsorganisationen, die sich beispielsweise für Behinderte und Waisen einsetzen. Mithilfe des Webs sollen sie lernen, effektiver zu arbeiten in einem Land mit neun Zeitzonen. Sein Team gibt Publikationen heraus, veranstaltet Trainings.

Der 29-Jährige ist überzeugt davon, dass das Netz Menschen helfen kann, wenn der Staat keine Hilfe ist. Und er findet neue Wege – zum Beispiel mit einer Initiative anlässlich der katastrophalen Waldbrände im Sommer 2010, an der er, studierter Geograf, beteiligt war: Da wurden alle Informationen verzeichnet, von Bränden, Geschädigten und Helfern – ein Versuch der Selbstorganisa tion, wenn der Staat versagt. Regierung und

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