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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2013
Die Welt ist keine Kaffeetasse
Warum die Naturwissenschaften die Wirklichkeit nicht vollständig erklären können
Der Inhalt:

Toleranz im Wandel der Zeiten

von Axel Noack vom 25.01.2013

Von seiner Geschichte her geht es beim Begriff Toleranz um das Miteinander und wechselseitiges Aushalten von verschiedenen Bekenntnissen und religiösen Überzeugungen. Doch selbst für Martin Luther, der dafür eintrat, dass niemand gegen sein Gewissen handeln solle, und von den Herrschern verlangte, dass sie nicht über die Herzen zu regieren hätten, war nicht vorstellbar, dass in einer territorialen Herrschaft verschiedene Glaubensrichtungen nebeneinander existieren können. Der Augsburger Religionsfriede (1555) stellt den ersten Kompromiss her: Das Reich bleibt im Streit der christlichen Konfessionen »neutral«. Die Herrscher der einzelnen Fürstentümer bestimmen je die Glaubensrichtung (»Cuius regio, eius religio«). Andersgläubige können das Land verlassen und werden nicht mehr bestraft.

Erst der verheerende Dreißigjährige Krieg (1618-1648) ergibt im Westfälischen Frieden, dass in einzelnen Territorien im gewissen Maße auch Gläubigen anderer Konfessionen für den »Hausgebrauch« abweichende Glaubenspraxis erlaubt wird. Allerdings: Das 17. Jahrhundert bringt dennoch eine grundlegende Veränderung. Neues Denken bricht sich Bahn (Pierre Bayle, John Locke); und nachdem der brandenburgisch-preußische Kurfürst Johann Siegesmund 1613 selbst zum reformierten Glauben gewechselt ist, ohne seine Landeskinder zur Konversion zu nötigen, wird Preußen zum Fluchtpunkt verfolgter Christen.

1664 erlässt der »Große Kurfürst« Friedrich Wilhelm dann ein »Toleranzedikt«, in dem die Polemik zwischen Lutheranern und Calvinisten in Preußen verboten wird. Das erfreut allerdings nicht alle: Der bekannte Liederdichter Paul Gerhardt etwa bekämpft den Gedanken der Toleranz als Abweichen von der Wahrhaftigkeit. Nach 1685 – der Kurfürst hatte ausdrücklich die verfolgten Hugenotten nach Preußen eingeladen – erlebt Preußen einen Aufschwung. Es wird deutlich, dass der Zusammenhalt des Staates und sein ökonomischer Fortschritt leichter durch die Tolerierung verschiedener Konfessionen zu haben sind als durch Beharren auf konfessioneller Geschlossenheit.

Freilich gilt das alles nur und ausschließlich für die christlichen Konfessionen. Für Juden etwa gibt es damals allenfalls verschiedene Formen der Duldung, aber keine wirkliche Toleranz.

Die Aufklärung beflügelt den Gedanken der Toleranz wesentlich: Konfessionelle Spannungen u

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