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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2013
Die Welt ist keine Kaffeetasse
Warum die Naturwissenschaften die Wirklichkeit nicht vollständig erklären können
Der Inhalt:

Die Welt ist keine Kaffeetasse

von Frank Vogelsang vom 25.01.2013
Warum die Naturwissenschaften die Wirklichkeit nicht vollständig erklären können

Der christliche Glaube ist in der Moderne deutlich in die Defensive geraten. Wie lassen sich seine Aussagen über die Wirklichkeit aufrechterhalten angesichts einer Welt, die als Universum von den Naturwissenschaften durchleuchtet ist? Wo ist jener Gott, von dem der christliche Glaube redet, wenn der Raum und seine Entwicklung seit dem Urknall einigermaßen gut beschrieben werden können? Wie können wir unser Leben als Geschenk erfahren, wenn es doch nur ein Element in der großen Kette der evolutionären Entwicklung des Lebens ist? Wie soll man den Glauben verstehen, wenn doch all seine Gewissheiten und Erfahrungen auf neuronale Aktivitäten zurückgeführt werden können?

Wer heutzutage religiöse Aussagen über die Wirklichkeit trifft, wer dadurch mehr über die Wirklichkeit behauptet als das, was mit wissenschaftlichen Methoden nachgewiesen werden kann, der hat es schwer, seine Position zu begründen. Er oder sie kann sich nicht auf allgemein geteilte Vorstellungen, sondern nur auf seine persönliche Überzeugung berufen.

Die Haltung der überwiegenden Mehrheit der Christinnen und Christen ist daher eher vorsichtig tastend. Es bleibt eine unauflösbare Unsicherheit, wie weit die traditionell vermittelten religiösen Aussagen über die Welt tatsächlich tragen. Der Glaube an Gott wird bejaht, aber was daraus für das Verständnis der Welt folgt, bleibt offen.

Der zurückhaltende Gebrauch religiöser Aussagen für die Deutung der Wirklichkeit hat einen guten Grund: Wir haben gelernt, dass traditionelle christliche Annahmen über die Welt nicht wahr sein müssen. Diese Aussagen waren immer schon ein Mischgebilde, das sich aus unterschiedlichen Quellen speiste. Schon früh ist die Botschaft des Evangeliums mit philosophischen Deutungen und metaphysischen Behauptungen verbunden worden. Im Mittelalter ergab sich daraus sogar ein einigermaßen geschlossenes und konzises Weltbild.

Doch naturwissenschaftliche Entdeckungen haben seit Beginn der Neuzeit so manche Annahmen dieses Weltbildes widerlegt. Hierzu gehören die Vorstellung der Erde als ruhender Mittelpunkt des Kosmos, die Fundamentalunterscheidung zwischen Himmel und Erde als unterschiedliche Sphären mit unterschiedlichen Gesetzen oder die eigenständige Schöpfung des Menschen, getrennt von der Entwicklung der anderen Lebewesen.

Die naturwissenschaftliche Forschung, die in der Neuzeit un

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