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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2020
Zukünfte gesucht!
Wohin sich Politik, Kirchen und Gesellschaft entwickeln werden
Der Inhalt:

Jenseits von W innetou

von Markus Dobstadt vom 17.01.2020
Vorgespräch: Was für eine Welt zeigen Filme von amerikanischen Indigenen? Fragen an Sonja Schierle, Mitinitiatorin des Nordamerika-Filmfestivals in Stuttgart

Publik-Forum: Frau Schierle, Sie veranstalten im Februar in Stuttgart das »Nordamerika-Filmfestival: Indianer Inuit«. Was erwartet die Besucher da?

Sonja Schierle: Über sechzig Filme, die von indigenen Regisseuren, Drehbuchautoren und Schauspielern in Nordamerika produziert wurden. Die meisten sind in Europa noch nie gezeigt worden. Es sind Spielfilme, Dokumentationen, aber auch Kinderfilme und Musikvideos. Einige Filmemacher werden dabei sein, in die Themen einführen und mit dem Publikum diskutieren.

Worum geht es bei diesem Festival?

Schierle: Wir wollen die indigene Kultur zeigen: Nicht nur die bunten Federn, Trommeln und Tänze, sondern auch das reale Leben der Indianer in der Gegenwart, und das ist nicht leicht. Der Rassismus ist in den USA nach wie vor extrem. Indianer sind wahre Überlebenskünstler, die sich durchkämpfen und von einer besseren Zukunft träumen. Das Festival-Motto heißt auch deswegen »Träume haben keine Grenzen«.

Welche Themen greifen die Filme auf?

Schierle: Da sind zunächst die großen Umweltprobleme: Die Gasgewinnung durch Fracking etwa ist eine große Katastrophe für die Menschen. Und natürlich der Klimawandel: Im Norden Kanadas und in Alaska sinken Gebäude ein, weil der Permafrostboden auftaut. Die Bewohner dieser kalten Regionen müssen sich Gedanken machen, wohin sie umsiedeln können. Andere Filme beschreiben vor allem kulturelle Übergriffe auf Indianer und Inuit.

Zum Beispiel?

Schierle: Bis in die 1960er-Jahre wurden Kinder aus indigenen Familien mit sozialen Problemen einfach weggenommen und in kirchliche Internate oder zu weißen Pflegeeltern gebracht. Diese Kinder wurden ihrer Sprache und ihrer kulturellen Traditionen beraubt. Es gab sexuellen Missbrauch. Wir zeigen aber auch schöne Abenteuer- und Tierfilme, beispielsweise über einen Raben oder ein kleines Rentier.

Winnetou war ein kitschiges Klischee. Welches Bild vermitteln Sie von den Indigenen?

Schierle: Indianer leben heute in zwei Welten: im 21. Jahrhundert und in ihren Traditionen. Sie bringen das irgendwie zusammen, und gerade die junge Generation ist inzwischen stolz auf ihre Identität. Die vielfältigen indianisch

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