Sehnsucht nach Revolution
Wer mit 19 kein Revolutionär ist, hat kein Herz. Wer mit vierzig immer noch ein Revolutionär ist, hat keinen Verstand.« So oder so ähnlich sahen es angeblich George Bernhard Shaw, Theodor Fontane und einige andere. Die Frage ist aktuell, denn das Wort »Revolution« hängt in diesen Jahren, in denen der Revolutionen von 1789, 1919, 1989 und anderen gedacht wird, wieder in der Luft. In Frankreich zum Beispiel, wo aus dem Protest der »Gelbwesten« gegen Benzinsteuer eine komplexe Bewegung wurde, die auf ganz unterschiedliche Weise nicht mit der Regierung einverstanden ist. Das linke Lieblingswort Revolution wird derzeit auch von extremen Rechten im Mund geführt, die damit etwas ganz anderes meinen. Die politische Autorin Bini Adamczak sagt dazu in einem Interview mit Spiegel Online: »Inhaltlich ist diese Rechte total unkreativ und alles andere als rebellisch.« Sie tue nur so, als sei sie gegen das Establishment. Sie kämpfe gegen Menschen, die von der bürgerlichen Gesellschaft ohnehin schon als Feinde, Verliererinnen, Unterdrückte auserkoren seien und verspreche der Mehrheit, dadurch deren Lebensstandard zu sichern. Die Rechten imitierten die Revolte also bloß: »Sie formulieren eine scheinbare Kritik der Herrschaft, die dazu dient, die Herrschaft aufrechtzuerhalten.«
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