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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2019
Revolution
Die Welt ist in der Krise. Ein Umbruch ist nötig. Nur welcher?
Der Inhalt:

Sehnsucht nach Revolution

von Anne Strotmann vom 11.01.2019
Revolutionsjubiläumsjahr 2019: Die Idee, dass alles anders sein könnte, erfüllt die einen mit Schrecken, die anderen mit Begeisterung. Auch Christen hoffen auf die kommende Welt. Sollten wir uns die Revolution wünschen? Und wenn ja, welche?

Wer mit 19 kein Revolutionär ist, hat kein Herz. Wer mit vierzig immer noch ein Revolutionär ist, hat keinen Verstand.« So oder so ähnlich sahen es angeblich George Bernhard Shaw, Theodor Fontane und einige andere. Die Frage ist aktuell, denn das Wort »Revolution« hängt in diesen Jahren, in denen der Revolutionen von 1789, 1919, 1989 und anderen gedacht wird, wieder in der Luft. In Frankreich zum Beispiel, wo aus dem Protest der »Gelbwesten« gegen Benzinsteuer eine komplexe Bewegung wurde, die auf ganz unterschiedliche Weise nicht mit der Regierung einverstanden ist. Das linke Lieblingswort Revolution wird derzeit auch von extremen Rechten im Mund geführt, die damit etwas ganz anderes meinen. Die politische Autorin Bini Adamczak sagt dazu in einem Interview mit Spiegel Online: »Inhaltlich ist diese Rechte total unkreativ und alles andere als rebellisch.« Sie tue nur so, als sei sie gegen das Establishment. Sie kämpfe gegen Menschen, die von der bürgerlichen Gesellschaft ohnehin schon als Feinde, Verliererinnen, Unterdrückte auserkoren seien und verspreche der Mehrheit, dadurch deren Lebensstandard zu sichern. Die Rechten imitierten die Revolte also bloß: »Sie formulieren eine scheinbare Kritik der Herrschaft, die dazu dient, die Herrschaft aufrechtzuerhalten.«

Mehr Pose als revolutionärer Geist ist es meist auch, wenn junge Menschen sich ein bisschen davon mit Che Guevara Shirts erkaufen, selbst wenn sie nicht so genau wissen, wer das eigentlich war. Aber Che sieht halt so entschlossen und heroisch aus, wie sie es wohl gerne wären. Das Label »Revolution« verkauft sich gut. Es gibt etliche Bücher, Theaterstücke und Filme, die von Revolten, Rebellen und dem Traum vom großen Umsturz erzählen. Revolution, das klingt nach Heldentum, gerechtem Zorn. »Die da oben« kriegen endlich ihr Fett weg. Klar, man muss auch Opfer bringen, aber dafür wird alles neu und besser. Irgendwann »danach«.

Blickt man auf die historischen Revolutionen, kann man sich da so sicher nicht sein. Vor 230 Jahren ging das französische Volk in der »Mutter aller Revolutionen« auf die Barrikaden. Sie entmachteten und enthaupteten den Adel, es flossen Ströme von Blut. Unter der anschließenden Terrorherrschaft Robespierres wurden Andersdenkende ermordet, etwa die Revolutionärin und Frauenrechtlerin Olympe de Gouges. Deren Vergehen bestand hauptsächlich darin, dass sie auch die despotische Herrschaft de

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