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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2018
Gott neu denken
Über die Versöhnung von Glaube und Wissenschaft
Der Inhalt:

»W ir leben in einer Projektwelt«

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 12.01.2018
Was bedeutet eine unverbindliche Haltung für Politik und Gesellschaft? Fünf Fragen an den Soziologen Ulrich Bröckling

Publik-Forum: Herr Bröckling, ist die verbreitete Unverbindlichkeit bloß eine individuelle Haltung junger Leute?

Ulrich Bröckling: Nein. Wir leben in einer Projektwelt, und Projekte haben nur eine begrenzte Laufzeit. Während ein Projekt läuft, soll ich mich voll und ganz darauf konzentrieren. Gleichzeitig muss ich mich aber schon um ein Anschlussprojekt kümmern und meine Kräfte entsprechend aufteilen. Ich würde deshalb eher von einer gesellschaftlichen Tendenz zu befristeter Verbindlichkeit sprechen. Was als Unverbindlichkeit erscheint, ist nichts anderes als der permanente Zwang, konkurrierende Anforderungen auszubalancieren. Das verändert auch das gesellschaftspolitische Engagement. So klagen die Parteien über weniger Mitglieder. Allerdings haben Kampagnen, die zeitlich befristet sind, regen Zulauf. Ähnliches lässt sich bei den Gewerkschaften beobachten.

Inwiefern?

Bröckling: Auch die Gewerkschaften haben ein massives Mitgliederproblem. Nehmen wir ein Krankenhaus als Beispiel: Dort sind in der Regel nur zehn bis zwanzig Prozent der Beschäftigten gewerkschaftlich organisiert. Deshalb engagiert Ver.di inzwischen professionelle »Organizer« von außen, wenn es darum geht, einen Streik vorzubereiten. Die sollen dann einige Wochen lang dafür sorgen, dass die Krankenhausmitarbeiter den Arbeitskampf aufnehmen.

Ist die persönliche Unverbindlichkeit eine Folge dieser gesellschaftlichen Projektwelt?

Bröckling: Die »Projektisierung« der Gesellschaft erzwingt Veränderungen der individuellen Lebensentwürfe. Es wird erwartet, dass alle ständig flexibel sind. Unter meinen Studierenden wagt kaum einer von einer Festeinstellung auf Lebenszeit auch nur zu träumen. Heute weiß ja kaum noch jemand, wo er oder sie in zehn Jahren stehen wird: Werde ich da noch in derselben Firma arbeiten wie heute? Wohne ich noch am selben Ort?

War das nicht schon immer so?

Bröckling: Unsicherheit gab es auch früher, aber die beruflichen Rahmenbedingungen haben sich doch sehr verändert. Nehmen wir die Situation an den Hochschulen: An deutschen Universitäten gibt es jenseits der Professur kaum noch unbefristete Stellen für Wissenschaftler. Das bedeutet e

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