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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2017
Weckruf für die Welt
Wie weiter unter Donald Trump?
Der Inhalt:

Ma c h t m i c h d a s g l ü c k l i c h o d e r k a n n d a s w e g ?

von Birgit-Sara Fabianek vom 13.01.2017
Viele Dinge, die wir ansammeln, verstopfen Häuser und Seelen. Aber muss man deshalb zum Minimalisten werden?

Die Zeit nach Weihnachten ist immer auch die Zeit, in der ich feststelle, dass ich keinen Platz mehr habe. Kleiderschrank, Bücherregal, Vorratsraum: alles voll. Es ist die Zeit, in der sich die Frage aufdrängt: Was will ich eigentlich mit dem ganzen Kram? Ich fühle mich wie jedes Jahr reich beschenkt und freue mich über all die Dinge, die für mich ausgesucht worden sind. Nur: Wohin damit?

In diesen Tagen der Fülle, in denen der Kühlschrank ebenso überquillt wie die Papiertonne, träume ich manchmal von den Tagen der Leere, wie ich sie im Urlaub erlebe. Wo man aus dem Koffer lebt und nur das Nötigste dabeihat. Weder stundenlang vor dem Kleiderschrank steht noch ständig auf der Suche ist nach Zeug, das einem zwar gehört, aber gerade nicht zu finden ist. Eine Ferienwohnung ist funktional eingerichtet, alles ist überschaubar und an seinem Platz. Es gibt keine vollgestellten Bücherregale, keine Schubladen voller Kram und keine Stehrümchen in allen Ecken. Es fühlt sich frei an, wie ein unbeschriebenes Papier.

In einem vollgestopften Raum dagegen ist es schwieriger, bei sich selbst zu bleiben, habe ich festgestellt. Wenn der Blick auf gestapeltes Altpapier fällt oder herumliegende Schuhe und der Esstisch so großzügig als Ablagefläche dient, sodass kaum noch Platz ist für zwei Teller, dann fällt es schwer, sich nur aufs Essen zu konzentrieren. Denn die Dinge, die uns auf die Pelle rücken, fordern unsere Aufmerksamkeit. Räumliche Weite lässt dagegen auch im Inneren Weite entstehen. »Die meiste Energie steckt in leeren Räumen.« Ich weiß nicht mehr, wer diesen Satz gesagt hat, aber ich kann ihn nachempfinden. Wäre es nicht schön, dieses Urlaubsgefühl der Leere und Weite nach Hause zu nehmen, indem man sein Haus oder seine Wohnung von allem überflüssigen Gerümpel befreit?

Und es so zu machen wie die Minimalisten: jene Trendsetter, die allein in Deutschland mehr als achtzig Blogs damit füllen, wie es ist, ihre Wohnungen und ihr Leben Stück für Stück von materiellen Besitztümern zu leeren – und darum wetteifern, wer die wenigsten Dinge von allen besitzt. Manche werden dabei philosophisch und zitieren Mahatma Gandhi: »Reich wird man erst durch Dinge, die man nicht begehrt«, andere – wie das »Apfelmaedchen« in ihrem gleichnamigen Internet-Blog – berufen sich auf den tschechischen Ökonomen Tomáš Sedlácek und seine »Ökonomie von Gut und Böse«: »Wenn jemand etwas kauft, sollte ihn da

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