Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2016
Ohne Hoffnung keine Zukunft
Der Inhalt:

Prinzip Hoffnung

vom 15.01.2016
Kolumne Von Fabian Vogt:

Torsten hielt sein Smartphone in die Runde: »Hier, das ist die Webcam vom Ski-Gebiet. Fällt euch was auf?« Christian beugte sich vor: »Da sitzt eine relativ attraktive Frau am Lifthäuschen!«

Torsten schnaubte: »Das meine ich nicht. Hier! Der Lift steht. Weil alles grün ist. Seht ihr das? Grün wie im Hochsommer. Seit einem Jahr habe ich mich aufs Skifahren zwischen den Jahren gefreut. Und jetzt liegen auf den Pisten genau null Zentimeter Schnee. Null Komma null. Da können wir jetzt zu Silvester einen fröhlichen Wanderurlaub machen. Dabei habe ich zu Weihnachten extra neue Carving-Ski bekommen.«

Die weihnachtsmüden Köpfe der Männer gerieten in mitfühlende Nickbewegungen. Nur Erich murmelte: »Warum sagst du den Skiurlaub nicht einfach ab?«

Torsten prostete uns zu: »Wollte ich, aber irgendwie … aber wisst ihr … inzwischen bin ich voller Hoffnung: Es wird noch schneien! Ganz bestimmt.« Er warf einen sehnsüchtigen Blick durch die Terrassentür.

Ich räusperte mich verhalten: »Du hast aber schon die Wettervorhersage gesehen, oder? Bis zum Jahreswechsel sind ziemlich laue Temperaturen angesagt. Selbst in Moskau erlebt der Russenmützenverkauf gerade eine ganz miese Saison.«

Torsten reagierte empört: »Wir sind doch hier ein christlicher Männerkreis, oder? Wenn wir keine Hoffnung haben, wer dann?«

Christian starrte noch immer die relativ attraktive Frau am Lifthäuschen auf dem Display von Torstens Smartphone an. Dann sagte er höhnisch: »Jetzt sag aber bitte nicht, dass du für Schnee betest. Och komm.«

»Ja, warum denn nicht?«, wehrte sich Torsten. »Ist es etwa verboten, Gottes Beistand für die Erfüllung seiner Hoffnung zu erbitten? Mir bedeutet Skifahren echt viel …« Erich stellte sein Rotweinglas ab. Etwas zu laut. »Jetzt aber mal langsam«, sagte er. »Hoffnung ist doch kein frommer Wunsch. Torsten, wenn du dir Schnee wünschst, dann hat das mit Hoffnung überhaupt nichts zu tun. Du würdest dich freuen, wenn es schneit. Das kannst du gerne machen. Nur bitte benutze für deine egoistischen Begierden nicht das Wort Hoffnung!«

Puh. Jetzt ging es aber ab. Nach und nach verwandelte sich die aufkeimende Schlägerei in eine aufgeregte, intensive Diskussion. Vor allem über die zentrale Frage: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Wunsch und Hoffnung?

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen