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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2015
Die bedrohte Demokratie
Der Inhalt:

Kampf um den Schlafplatz

von Thomas Gesterkamp vom 16.01.2015
Das Leben in den Metropolen wird immer teurer. Polizisten, Erzieherinnen oder Altenpflegerinnen zum Beispiel können es sich kaum mehr leisten. Eine Gewerkschaft fordert jetzt Konsequenzen

Hartmut Kühn kennt die Klagen darüber, dass ein Euro innerhalb Deutschlands nicht überall den gleichen Wert hat. »In Bautzen oder Schwedt wohnen unsere Kollegen oft im eigenen Haus und fahren einen großen Audi, in Frankfurt oder München müssen sie sich mit sechzig Quadratmetern und einem Kleinwagen begnügen«, sagt der zuständige Geschäftsführer der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Bundespolizisten, die zuvor an der polnischen Grenze tätig waren, dann aber zum Dienst am Frankfurter Flughafen versetzt werden, erleben eine indirekte Gehaltskürzung. »Da will keiner hin, weil das Leben im Rhein-Main-Gebiet viel teurer ist als in Ostsachsen«, weiß Kühn.

Das Risiko, in die Armut abzurutschen, ist in den florierenden Großstädten erheblich höher als in den meisten ländlichen Regionen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW). Die Forscher wählten dabei eine andere Betrachtungsweise als bisherige Studien zur Verteilung von Arm und Reich. Sie verglichen nicht einfach das Einkommensniveau, sondern berücksichtigten das regionale Preisgefälle und damit auch die reale Kaufkraft.

Die sogenannte Armutsgrenze liegt bei 870 Euro im Monat. Als arm gilt nach einer Definition der Europäischen Union, wer weniger als sechzig Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. Für ein Paar mit zwei Kindern liegt die Vergleichszahl bei 1830 Euro, für kinderlose Paare bei 1300 Euro monatlich. Berechnet man auf diese Weise die Verdienstdifferenzen, teilt sich Deutschland wie vor 25 Jahren in alte und neue Bundesländer. Berücksichtigt man aber die regionalen Preisunterschiede, ergibt sich ein verändertes Bild: Aus dem Ost-West- wird eher ein Stadt-Land-Gegensatz – in ganz Deutschland.

Nur 14 Prozent der ländlichen, aber 22 Prozent der städtischen Bevölkerung gelten der IW-Studie zufolge als »kaufkraftarm«. Das liegt vor allem an den steigenden Kosten für das Wohnen. Nach aktuellen Daten des Immobilienverbands Deutschland und des Statistischen Bundesamtes schwankten die Mieten im Jahr 2014 zwischen 12,53 Euro pro Quadratmeter in München und 3,27 Euro in Wunsiedel im Fichtelgebirge. Die Großräume Oberbayern, Rhein-Main, Hamburg, Stuttgart und Köln/Düsseldorf haben das

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