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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2015
Die bedrohte Demokratie
Der Inhalt:

Sozialprotokoll: »Dieser Zustand ist grauenhaft«

von Rudolf Stumberger vom 16.01.2015
Magda T. ist Akademikerin. Seit über einem Jahr lebt sie von Hartz IV

Ich habe die letzten Jahre immer gehofft, nächstes Jahr wird es besser. Oder anders. Aber das wurde es nicht, sondern teilweise sogar schlechter. Deswegen habe ich keine Erwartungen mehr. Ich nehme es, wie’s kommt. Das Schwierige ist, je kleiner man sich fühlt, desto kleiner werden auch die Möglichkeiten. Ich muss sagen, ich hasse mittlerweile diese Sätze wie »Ja, du hast dich nur nicht richtig bemüht« oder »du musst einfach mehr positive Energie ausschütten«. Ich denke, ich bin ein richtiges Stehaufmännchen, aber diese Sprüche …

Dieser Zustand, diese prekäre Geschichte, fing mit der Entlassung an. Das war vor acht Jahren. Ich habe in einer Agentur gearbeitet, ich bin Übersetzerin für medizinische Themen mit den Sprachen Spanisch und Englisch. Und bin dann – unvorbereitet – in die Selbstständigkeit gegangen, habe mich in die damalige Wirtschaftskrise hineingegründet. Ich habe Kurse zur Selbstständigkeit besucht, dann Fortbildungen gemacht, zum Beispiel eine journalistische Fortbildung. Um das zu untermauern, habe ich mich auf Stellen beworben, aber das hat mich in diese Praktikanten-Volontariatsschleife fallen lassen.

Ich bin dann wieder in einer Agentur gelandet, und die Erfahrung dort hat mich darin bestärkt, es doch noch mal als Selbstständige zu versuchen. Es gab dann einen Existenzgründerkredit, das reichte aber auf Dauer nicht aus. Also habe ich mich wieder beworben und bin zweimal bei Zeitarbeitsfirmen gelandet. Das wäre vielleicht auch gut gegangen, doch die Firmen haben schließlich Konkurs angemeldet. Irgendwann war dann mein Anspruch auf das normale Arbeitslosengeld aufgebraucht. Jetzt bin ich seit mehr als einem Jahr in Hartz IV. Und das ist ein Zustand, der ist grauenhaft.

Es ist diese Mischung aus Zeitvertrag, Selbstständigkeit, Projektarbeit, zwischendurch wieder Arbeitslosigkeit, die einen aus dem Leben und der Gesellschaft herausfallen lässt. Und es macht das Leben so unglaublich unsicher und unplanbar. Die Festangestellten wissen, wann sie Urlaub machen können, wann sie was planen können, ich bin immer irgendwie auf Abruf, muss immer bereit sein, habe keine Ansprüche zu stellen.

Ich wohne außerhalb von München in einem Ein-Zimmer-Appartement. Für mich gibt es kein Sozial ticket – wenn ich mobil sein will, muss ich mir eine Gesamtnetzkarte kaufen, die kostet 72,60 Euro im Monat. Die sind nicht im Hartz-IV-Satz drin. Und auc

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