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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2012
2012: Wir steigern das Bruttosozialglück
Umbau der Wirtschaft
Der Inhalt:

Orgeln – nicht bloß für Christen

von Markus Wetterauer vom 04.05.2012
Wer rettet die historischen Kircheninstrumente in Thüringen?

Es ist nur eine Notlösung. Wenn die evangelischen Christen in Bindersleben vor den Toren von Erfurt im neuen Jahr Gottesdienst feiern, dann erklingt die Musik zu den Chorälen aus der Konserve. Der Pfarrer bedient einen CD-Spieler, der neben dem Altar der Sankt Lukas Kirche steht. Die historische Volckland-Orgel von 1755 auf der Empore bleibt stumm.

Zwar lässt die Fassade der Orgel ahnen, welche musikalische Pracht einst in ihr steckte. Doch ihr Zustand ist so desolat, dass sie dringend komplett saniert werden muss. Dieses Ziel hat sich ein eigens dafür gegründeter Verein gesteckt. Vorsitzende Karola Eberhardt weiß, dass sie langen Atem braucht, wenn die Kosten von einer Viertelmillion Euro zusammenkommen sollen. Die Orgel in Bindersleben ist kein Einzelfall in Thüringen. Von den 2500 Orgeln im Land sind 1500 aus der Barockzeit. Das ist einmalig, weil es sonst nirgends in Deutschland eine so hohe Dichte an historisch wertvollen Orgeln gibt.

Doch dieser Schatz ist bedroht. So sind in manchen Regionen wie in Mittel- und Nordthüringen nach Angaben von Fachleuten 95 Prozent der Orgeln nicht mehr spielbar. Mit den hohen Sanierungskosten sind die kleinen Kirchengemeinden heillos überfordert. Außerdem fließen Zuschüsse wie vom Denkmalschutz nicht mehr so üppig wie noch vor einigen Jahren. Doch wenn nichts geschieht, sind die Kleinode bald unwiederbringlich verloren. So auch in Bindersleben. Was dort geschah, war symptomatisch für viele Dorfkirchen in der DDR. Die Lukaskirche zerfiel in den 1960er- und 1970er-Jahren und mit ihr die Orgel. Mitte der 1970er-Jahre konnte das Gotteshaus wegen Baufälligkeit nicht mehr benutzt werden. »Die Kirche war aufgegeben«, so Karola Eberhardt. Die Wende kam erst mit der Wende. Zwischen 1990 und 2003 wurde die Kirche saniert. Dabei wurden Denkmalpfleger auf die Orgel aufmerksam. Auch der neue Kantor István Fülöp möchte sie für kommende Generationen erhalten.

Das Problem sind die Kosten, eine Viertelmillion. Pfarrer Otfried Pappe rechnet vor, dass schon der erste Bauabschnitt rund 34 000 Euro kosten soll. Davon übernehmen Denkmalpflege und Landeskirche 20 000 Euro. 3000 Euro steuert die bundesweite Stiftung Orgelklang bei, die Gemeinde muss 2500 Euro schultern. Der Orgelverein sammelt also Geld, veranstaltet Benefizkonzerte. Er weiß, dass nur Mini-Summen zusammenkommen. Doch P

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