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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2011
Basteln am Selbst
Immer mehr Menschen wollen sich optimieren - um jeden Preis
Der Inhalt:

»Kinder wertschätzen«

von Hartmut Meesmann vom 05.08.2011
Zwei Handreichungen zur Prävention zeigen, wie die katholische Kirche Missbrauch künftig verhindern will

Eine »Kultur der Wertschätzung, des Respekts und der Achtsamkeit« gegenüber Kindern und Jugendlichen soll künftig in katholischen Schulen, Internaten und Kindertageseinrichtungen zu spüren sein. Auch soll ein »besonderer Wert auf einen wertschätzenden und verantwortungsvollen Umgang mit dem eigenen Körper und dem Körper anderer Menschen« gelegt werden. Ausdrücklich wird eine »transparente Leitungsstruktur« in all diesen Einrichtungen gefordert. So steht es in einer Handreichung der katholischen deutschen Bischöfe zur »Prävention von sexualisierter Gewalt an Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen« vom 25. November 2010.

Ähnliches liest man in einem »Leitfaden«, den das Aloisiuskolleg, ein von Jesuiten geleitetes Gymnasium mit Internat in Bonn, im Dezember vergangenen Jahres vorgelegt hat. Dort will man nach mehreren Fällen sexueller Übergriffe in der Vergangenheit (Publik-Forum 19/2010) nun ein »Klima der Transparenz und der Offenheit« schaffen, das die Intimsphäre der Kinder und Jugendlichen wahrt und auf die »Grenzsetzung im Körperkontakt« achtet.

Alle Mitarbeiter – von den Ordensleuten über die Lehrerinnen und Lehrer bis hin zum Hausmeister – werden in einer Selbstverpflichtung angehalten, einem möglichen Missbrauch »offensiv und aktiv« entgegenzuwirken. Regelmäßige Fortbildungsveranstaltungen und Supervisionsangebote sollen den Kenntnisstand der Mitarbeitenden verbessern. Im Leitfaden selbst wird ausführlich über Formen sexualisierter Gewalt, über die Strategien der Täter und mögliche Vorgehensweisen bei Auffälligkeiten informiert. Mit ihrer Unterschrift verpflichten sich die Mitarbeiter, die Leitlinien des Präventionsleitfadens einzuhalten.

Auf diese Weise will man im Aloisiuskolleg den sexuellen Missbrauch »unmöglich machen«, zumindest aber »erschweren«. Für den Ernstfall wird festgehalten: »Sollte sich der Verdacht bestätigen, ist der Kollege sofort vom Dienst zu suspendieren und es sind arbeitsrechtliche (gegebenenfalls kirchenrechtliche) Konsequenzen einzuleiten.«

In beiden katholisch-kirchlichen Handreichungen ist das ehrliche Bemühen zu spüren, tatsächlich Konsequenzen aus den skandalösen Missbrauchsfällen der Vergangenheit zu ziehen. Deutlich wird, wie wichtig Feingefühl, offene Kommunikation, ein angstfreies Klima gerade im Umgang mit dem Thema Sexualität sind. Das s

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