Wahlsieg der Bild-Zeitung
Wenn sich CDU, CSU und SPD auf eine Große Koalition einigen, dann kann auch die Bild-Zeitung einen Wahlsieg feiern. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung der Medienforscher Hans-Jürgen Arlt und Wolfgang Storz im Auftrag der Otto Brenner Stiftung.
Von 15. Juni bis 8. September haben Arlt und Storz die Wahlberichterstattung der Bild-Zeitung untersucht. In den 86 Tagen haben sie 416 Artikel ausgewertet. Ihr Ergebnis: Von Anfang hat die Bild-Zeitung systematisch auf einen Wahlsieg von Bundeskanzlerin Angela Merkel und auf eine Große Koalition hin berichtet. Und dabei offenbar alle Register der Parteilichkeit gezogen.
Merkel hui, Steinbrück pfui
Insgesamt 121 Beiträge in 76,7 Prozent aller Ausgaben befassen sich mit Angela Merkel. »Ihr wird in den Springer-Blättern die Aufwartung gemacht. Sie wird als Privatperson, als Politikerin und als Kanzlerin gehegt und gepflegt, unterbrochen von gelegentlichen freundlichen Ermahnungen«, schreiben Hans-Jürgen Arlt und Wolfgang Storz.
Viel seltener und ganz anders schreiben die Springer-Blätter über den SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück. Er kommt nur in 84 Beiträgen vor. »In der Regel handeln sie von Pannen, Banalitäten und internem Streit aller Art. Was er macht, wird gerne mit unsympathischen Tätigkeitswörtern beschrieben: Er ledert, giftet zurück, wettert, verhöhnt.« Häufig wurde Steinbrück als bemitleidenswertes Opfer seiner Partei gesehen.
Während FDP, Linke, Piraten und die Alternative für Deutschland (AfD) so gut wie ignoriert werden – Rainer Brüderle und Gregor Gysi bekommen immerhin noch ein großes Interview –, hat die Bild-Zeitung im Wahlkampf einen klaren Feind ausgemacht: Bündnis 90/Die Grünen. »Es gab deutliche Ansätze einer Kampagne gegen diese Partei, über die fast ausschließlich Negativmeldungen verbreitet werden. Der Versuch, sie systematisch als Bevormundungspartei darzustellen, ist unübersehbar. Der Vorschlag der Grünen, freiwillig einen fleischlosen Tag in Kantinen einzuführen, bildet dabei die Speerspitze.«
Politik scheint nur der Unterhaltung zu dienen
Das wohl erschreckendste Ergebnis ihrer Untersuchung erwähnen die Medienforscher jedoch eher in Nebensätzen: Kaum je wird über Politiker im Zusammenhang mit wichtigen politischen Fragen wie Armut, Kinderbetreuung, Schulden berichtet. Politik scheint für die Bild-Zeitung nur zu Unterhaltungszwecken relevant. Sie leistet damit einer Amerikanisierung der politischen Kultur Vorschub, in der nur noch Personen und ihr Privatleben zählen und nicht mehr politische Ziele.
