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Nervige Griechen und deutsche Heuchler

von Wolfgang Kessler vom 17.06.2015
Zum x-ten Mal treffen sich die Euro-Finanzminister, um über Griechenland zu beraten. Sie wissen: Die Troika will das Geld der Anleger retten, Alexis Tsipras ein wenig soziale Gerechtigkeit. Doch ein möglicher Rauswurf Griechenlands aus dem Euro bedroht beides. Deshalb darf der Grexit auf keinen Fall kommen! Kesslers Kolumne
Das Horror-Wort heißt »Grexit«: Wolfgang Kessler (rechts) hält den möglichen Ausschluss Griechenlands aus der Eurozone für völlig falsch. (Foto: fotolia/vieraugen)
Das Horror-Wort heißt »Grexit«: Wolfgang Kessler (rechts) hält den möglichen Ausschluss Griechenlands aus der Eurozone für völlig falsch. (Foto: fotolia/vieraugen)

Die Bedingungen für einen Kompromiss zwischen Griechenland, Brüssel, Berlin und Washington werden immer schlechter. Da sind auf der einen Seite die nervigen Griechen. Die Links-Regierung hat von ihren Vorgängern eine Menge großer Probleme geerbt und will dennoch wenigstens ein paar ihrer üppigen Wahlversprechen erfüllen. Und in Deutschland haben inzwischen Populisten, Heuchler und Grexitfans – Anhänger eines Rauswurfs Griechenlands aus dem Euro – das Sagen.

Selbstgerechte Populisten

So ist es reiner Populismus, wenn der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel jetzt seinen Wählerinnen und Wählern zuruft, dass deutsche Familien und Arbeitnehmer nicht die Wahlversprechen einer »teils kommunistischen Regierung« bezahlen würden. Man fragt sich, ob er den Arbeitnehmern auch sagen würde, dass manche ihrer Arbeitsplätze Arbeitslose in anderen Ländern schaffen. Den die Exportüberschüsse des einen Landes sind die Verluste des anderen.

Geradezu heuchlerisch ist die Forderung von Ulrich Grillo, dem Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, dass »Verträge eingehalten werden müssen«. Dabei haben wir doch oft genug erlebt, wie überschuldete Unternehmen in Deutschland – erinnert sei an den Fall Schaeffler – ihre Gläubiger zu einem Forderungsverzicht drängen, um selbst gerettet zu werden!

Und zu diesem Chor besinnungsloser Stimmen gesellt sich dann noch der Ökonom Hans Werner Sinn, der wieder einmal die Einführung der Drachme in Griechenland empfiehlt – so, als ob die Griechen dann ihre Schulden in Euro und Dollar leichter zurückzahlen könnten.

Die Schuld der Griechen ...

W

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