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Die Waffen der Amerikaner

von Wolfgang Kessler vom 16.12.2014
US-Bürger tolerieren vieles, aber eines nicht: Kritik an ihrem System. Wer das angreift, wird zum Sozialisten, Kommunisten, zum Terroristen gestempelt. Und gegen die sind alle Mittel erlaubt, auch Folter. Kesslers Kolumne
Amerikaner haben vor allem ihr eigenes Land im Blick und verstehen es, ihre Interessen in der Welt durchzusetzen - notfalls auch mit Waffengewalt. Publik-Forum-Chefredakteur Wolfgang Kessler schreibt über die USA, wo er Anfang der 1980er Jahre gelebt hat (Foto: pa/dpa/Gunther)
Amerikaner haben vor allem ihr eigenes Land im Blick und verstehen es, ihre Interessen in der Welt durchzusetzen - notfalls auch mit Waffengewalt. Publik-Forum-Chefredakteur Wolfgang Kessler schreibt über die USA, wo er Anfang der 1980er Jahre gelebt hat (Foto: pa/dpa/Gunther)

Kein Zweifel: Es ist nicht einfach, die Amerikaner zu verstehen. Zumal, wenn sie mehrheitlich Folter in Verhören der CIA verteidigen. Wie schwer es ist, Amerikaner zu verstehen, das weiß vor allem, wer einmal in den USA gelebt hat. Wie ich, Anfang der 1980er Jahre, als ich zu Forschungszwecken in Washington D.C. weilte.

Großzügig, hilfsbereit und wagemutig

Zunächst war ich beeindruckt: Die Amerikaner sind viel lockerer und freundlicher als die Deutschen und dabei hilfsbereit und großzügig. Als eher vorsichtiger Deutscher war ich erstaunt, wie viel die meisten Amerikaner für ihre Ziele riskieren. Auch wenn sie dabei draufzahlen. Einer meiner damaligen Schreibtisch-Kollegen, ein Anhänger der Republikaner, investierte sein Geld konsequent für geringe Zinsen in den sozialen Wohnungsbau – und dies Anfang der 1980er Jahre, als die Deutschen ethisches Investieren noch gar nicht kannten. »Frag nicht, was Dein Land für Dich tun kann, sondern frag, was Du für Dein Land tun kannst« – diese Aufforderung von Ex-Präsident John F. Kennedy nehmen die Amerikaner sehr ernst.

Ein Bier kann ein Problem sein, eine Waffe ist keines

Umso erstaunter war ich über die andere Seite vieler Amerikaner. So tolerant und locker sie auch sind (oder scheinen) – eines vertragen sie nicht: Kritik am amerikanischen System, an ihrem Kapitalismus, an ihrem Pionierglauben, die auserwählte Macht für die ganze Welt zu sein. Wer daran Kritik äußert, noch dazu als Ausländer, ist unten durch. Wer diese Kritik als Amerikaner äußert, steht unter Verdacht. Wer sie hartnäckig wiederholt, wird für immer zum Sozialisten, zum Kommunisten, im schlimmsten Fall zum Terroristen abgestempelt. Und

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