Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2011
Auf Leben und Tod
Streit um die Organspende
Der Inhalt:

Der Vulkan im Innern

von Hartmut Meesmann, Andrea Teupke vom 25.08.2011
Was ist Hass? Und welche Rolle spielt er in gesellschaftlichen Konflikten? Fragen an den Sozialpsychologen Hans-Jürgen Wirth
Hass kann völlig verdrängt und abgespalten sein, und dann kommt er doch in schrecklichen Aktionen zum Ausdruck, wie bei Anders Breivik, sagt Has-Jürgen Wirth  (Foto: photocase)
Hass kann völlig verdrängt und abgespalten sein, und dann kommt er doch in schrecklichen Aktionen zum Ausdruck, wie bei Anders Breivik, sagt Has-Jürgen Wirth (Foto: photocase)

Herr Wirth, wir erleben heute Hass auf Muslime, auf Ausländer, auf die Linken. Hass auch auf die Gesellschaft insgesamt. Daher die schlichte Frage: Was ist Hass?

Hans-Jürgen Wirth: Hass ist einer der Basisaffekte, so wie Freude, Ekel, Scham oder Liebe. Genau wie Ekel - oder Wut - ist Hass ein aversiver, also stark abwehrender Affekt. Man sollte ihn zunächst einmal neutral betrachten.

Ist Hass nicht etwas sehr Negatives?

Wirth: Hass ist nicht von vornherein etwas Negatives, er gehört einfach zur menschlichen Grundausstattung dazu. Jeder Mensch ist zu aggressiven Gefühlen wie Wut oder eben auch Hass fähig. Wenn man Menschen Fotos von Gesichtern zeigt, können sie ziemlich sicher unterscheiden, ob jemand erfreut ist oder hasserfüllt - und das über verschiedene Kulturen hinweg. Wie sich der Hass dann im Verhalten konkret ausdrückt, in welchen Situationen er auftritt, wo er überall mit hineinspielt und wie der Mensch ihn empfindet, ist auch eine kulturelle Frage. Es gibt Gesellschaften, die es eher zulassen, dass Hassgefühle in bestimmten Situationen ausgedrückt werden; in anderen Gesellschaften werden sie eher unterdrückt und nach innen genommen. Und die einzelnen Menschen gehen natürlich auch ganz unterschiedlich mit ihrem Hass um.

Ist Hass denn zu irgendetwas gut?

Wirth: Ja, denn er schafft Distanz, die manchmal notwendig ist. Menschen sind extrem soziale Wesen, sehr aufeinander angewiesen. Nicht nur zu Beginn des Lebens ist die Psyche stark mit anderen verknüpft und auf Nähe und Zuwendung angewiesen. Als Gegengewicht zu diesem Bedürfnis nach Nähe kommt de

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen