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Der Klimavertrag: Ein Durchbruch?

von Franz Alt, Hans Kronberger 14.12.2015
Hat der Klimagipfel von Paris alles verändert? War er ein Meilenstein in der Geschichte der Klima-Diplomatie? Oder bleibt in Wahrheit doch alles, wie es immer war: Große Ziele werden genannt, aber nie umgesetzt? Darüber streiten zwei Freunde alternativer Energien, Franz Alt und Hans Kronberger
Der Klimavertrag von Paris: Ein Durchbruch? Franz Alt (links) sagt: »Ja!« Hans Kronberger (rechts) sagt: »Nein!« (Fotos: Chris Alt; Barbara Wirl)
Der Klimavertrag von Paris: Ein Durchbruch? Franz Alt (links) sagt: »Ja!« Hans Kronberger (rechts) sagt: »Nein!« (Fotos: Chris Alt; Barbara Wirl)

Franz Alt: »Ja, das Abkommen ist ein Durchbruch!«

»Richtig ist: Das Klimaabkommen von Paris ist ein historischer Durchbruch. Richtig ist aber auch: Das Ziel von nicht mehr als 1,5 Grad Erderwärmung gegenüber 1870 ist noch in weiter Ferne.

Zwei Ergebnisse stehen für den Erfolg. Erstens: Bisher war immer von einer Zwei-Grad-Erwärmung die Rede. Das neue Ziel von 1,5 Grad bedeutet eine große Hoffnung für viele Millionen Menschen in Afrika, Indien, Bangladesch und den pazifischen Inselstaaten. Endlich ein positives Signal an die Ärmsten: Wir schreiben euch nicht ab, wir lassen euch nicht einfach absaufen, wir sind solidarisch mit euch.

Der zweite große Fortschritt und Erfolg: Erstmals unterstützen ALLE 195 Staaten dieses Planeten in einem gemeinsamen Vertrag die neuen, ambitionierten Ziele. Die ganze Welt ist jetzt vereint im Bestreben nach weltweitem Klimaschutz. Das ist in einer Zeit großer Konflikte und Kriege ein starkes Zeichen dafür, dass sich die gesamte Menschheit doch noch als Schwestern und Brüder unter der einen Sonne auf diesem gemeinsamen Planeten versteht. Für eine mögliche Friedenskultur von morgen ein nicht zu unterschätzendes wichtiges und richtiges Signal.

Die Schwachpunkte des Abkommens können und müssen nun in den nächsten Jahren korrigiert und überwunden werden. Erstens: Die Zusagen fast aller Staaten für den Klimaschutz in den nächsten Jahren sind noch weit davon entfernt, das neue 1,5– Grad-Ziel tatsächlich zu erreichen. Es wird mit den jetzigen Zusagen eher drei Grad wärmer, sagen die Klimaforscher. Und nicht einmal diese schwachen Ziele sind völkerrechtlich verbindlich oder auch nur überprüfbar.

Zweiter Schwachpunkt: Die finanziellen Zusagen der reichen Länder an die armen, bei der Finanzierung der Abdämpfung von Klimafolgeschäden zu helfen, sind ebenfalls zu unverbindlich.

Dennoch gibt es neue Chancen: In den Folgekonferenzen kann und wird nachgebessert werden. Der Wille dafür wurde in Paris erkennbar. Die Welt kann nach diesem Wochenende etwas optimistischer in die Zukunft blicken.

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Auch die Umweltverbände erkennen die Fortschritte von Paris an. Ihre weltweiten Aktivitäten für mehr Klimaschutz haben sich gelohnt.

Für Deutschland hat das Abkommen zwei wichtige Konsequenzen: Um die angekündigten Klimaschutzziele – 40 Prozent weiniger CO2 bis 2020 gemessen an 1990 – zu erreichen, muss der Kohleausstieg rasch organisiert werden, zumindest der Einstieg in den Ausstieg und Investoren müssen sich mit ihrem Geld aus der Kohle zurückziehen so wie es die Allianz-Versicherung beispielhaft vorgemacht hat. Also: Keine Kohle mehr für die Kohle!«

Hans Kronberger: »Nein, ein ›Immerhin‹ ist zu wenig!«

»Hurra, sie haben die Welt gerettet? Hurra, sie haben der Zerstörung des Weltklimas Einhalt geboten? Die friedlichste Revolution, die es je gab, meint der französische Präsident.

Zweifelsfrei ist es eine Sensation, dass 195 Staaten eine gemeinsame Absichtserklärung unterschrieben haben. Dass sie diese Erklärung stolz Vertrag nennen, erinnert allerdings stark an das Märchen »Des Kaisers neue Kleider«. Alle bewundern die neuen Kleider des Kaisers, keiner traut sich aufzumucken und zu sagen, dass er tatsächlich nackt ist.

Man mag als ewiger Nörgler und Querulant gelten und ziemlich unsympathisch sein, wenn man nicht mitjubelt im Chor der Erlösten. Tausend Pfeile, gespickt mit dem Wörtchen ›Immerhin‹, werden wie ein Schauer auf den Kritiker niedergehen. Immerhin ist mehr herausgekommen als bei den zwanzig Vorgänger-Konferenzen. Immerhin ein Fortschritt gegenüber dem Kopenhagener Desaster vor sechs Jahren. Immerhin war die Konferenz ein Signal. Immerhin ist der weltweite CO2-Ausstoß als Ursache des Problems erkannt worden – und weitere tausend ›Immerhins‹ folgen.

Doch der Teufel steckt wie immer im Detail. Genau die Dekarbonisierung der Weltwirtschaft, zu der sich sogar der G7 Gipfel bekannt hat, ist in Paris im Laufe der Verhandlungen zerbröselt. Schon flammt die Diskussion auf, welche Verpflichtungen tatsächlich – vor allem für die Industriestaaten – erwachsen sind. Es ist, als hätte man den klimapolitischen Stabhochspringern die Latte auf 80 Zentimeter gesetzt und freut sich jetzt, dass alle 195 die Hürde genommen haben. Resümee: Die ›Immerhin‹-Gipfel wären nahtlos zu ersetzen durch Dekarbonisierungsgipfel: Denn der rasche Ausstieg aus der Verbrennung von Öl, Kohle und Gas ist überfällig. DAS wäre eine echte Chance zur Rettung des Planeten!«

Kommentare
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Josef Gansch
20.12.201512:15
Hallo Herr Kronberger,
Mir geht es auch zu langsam ... fraglich ist jedoch was den Anderen zugemutet werden kann?

was können | müssen wir tun um den Ausstieg süß CO2 zu erreichen?

Aus www.Energieberatung.at sammeln wir Energie Projekte. ... 620 haben wir schon. ... bei 8.5 Millionen ÖSterreichischerInnen...

WIR MUSSEN AN ALLEN EBENEN ANSETZEN!

In Bildung und Weiterbildung investieren! Mein Ziel wäre, das Kinder nach Hause gehen und die Eltern Frage:"Mama, Papa, was ist unser Energie Projekt?"

.... wir brauchen eine Ethik- nachhaltigkeits-und Werte Bildung schon bei den Jüngsten!

Sonnige Grüße, Josef
Von meinem Mobiltelefon in aller kürze. ..m