In die Falle getappt
Täglich melden sich rund 1500 junge Franzosen beim Militär, um ihr Vaterland in Syrien zu verteidigen. Britische Tornados bombardieren IS-Stellungen, und im deutschen Bundestag wurde im Eiltempo über einen Auslandseinsatz der Bundeswehr entschieden. Das zeigt: Religiöse Extremisten haben mit den Anschlägen in Paris erreicht, was sie erreichen wollten: Europa greift »die Araber« militärisch an. Die Mär vom »Krieg gegen den Islam« hat nun neuen Nährboden. Das ist fatal.
Denn die westlichen Interventionen in Syrien liefern religiösen Fanatikern genau die Rechtfertigung, auf die sie aus sind: Im Koran heißt es in Sure 2, 191: »(...) doch wenn sie euch angreifen, dann kämpft wider sie«. Auch andere Koranstellen verdeutlichen: Bewaffnete Angriffe sind zu verurteilen – aber Allah erlaubt, ja verlangt diese sogar, wenn Menschen auf ihrem eigenen Grund und Boden angegriffen werden. Dann, nur dann, ist der »kleine Dschihad« die Pflicht eines jeden Muslim: sich zu bewaffnen und in den Krieg zu ziehen.
Ein äußerer Feind schweißt zusammen
Viele Terroristen mögen religiöse Analphabeten sein und den Islam für ihre grauenvollen Taten nur vorschieben. Diejenigen unter ihnen, die den Koran tatsächlich kennen und seine Anweisungen nur zu oft verdrehen, haben mit einem Angriff westlicher Staaten jedoch die perfekte Legitimation. Eben jene Koransuren könnten, verbunden mit dem Bombardement des Westens, schließlich auch die ganz normale Bevölkerung in die Arme der Extremisten treiben. Selbst gemäßigte Muslime, die den IS bisher ablehnten, werden dann womöglich zu Verbündeten der Terrormiliz. Denn klar ist auch: Ein äußerer Feind schweißt eine Bevölkerung zusammen.
Es wäre schön gewesen, wenn westliche Politiker nicht blindlings in die Falle getappt wären. So aber ist die Provokation der Terroristen gelungen.
