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Berliner beten für Peter Steudtner

von Bettina Röder 21.07.2017
Der in der Türkei in Untersuchungshaft sitzende Menschenrechtler Peter Steudtner ist in der Gethsemanekirche aktiv. Die steht wie keine andere in Berlin für die Gewaltlosigkeit der Friedlichen Revolution von 1989. In diesem Sinne wollen sie hier auch für ihn streiten. Die evangelische Landeskirche fordert Steudtners sofortige Freilassung
Der Menschenrechtsaktivist und evangelische Christ Peter Steudtner wird in der Türkei verhaftet, Bischof Markus Dröge fordert in einem Brief an den türkischen Botschafter seine Freilassung (Foto: N24)
Der Menschenrechtsaktivist und evangelische Christ Peter Steudtner wird in der Türkei verhaftet, Bischof Markus Dröge fordert in einem Brief an den türkischen Botschafter seine Freilassung (Foto: N24)

»Wachet und betet.« In der Berliner Gethsemanekirche ist diese Aufforderung nicht zu übersehen. Sie erinnert hier, in einer der wichtigsten Berliner Kirchen der Friedlichen Revolution von 1989, an die Mahnwachen für die in der DDR politisch Inhaftierten, die damals hier stattfanden. »Wachet und betet«, das steht in diesen Tagen auch draußen am Eisenzaun vor dem Eingang der Backsteinkirche im Prenzlauer Berg. Diesmal gilt dieses Motto Peter Steudtner, dem 45-jährigen Journalisten und Mediator, der in der Türkei inhaftiert wurde und aktives Mitglied der Gethsemanegemeinde ist. Hier fand auch am 20. Juli spät abends eine Fürbittandacht für ihn statt. Der Gemeindekirchenrat hat wie viele andere seine sofortige Freilassung gefordert.

Zwei Tage zuvor war der Friedensaktivist in der Türkei ohne Anklage in Untersuchungshaft gekommen. Peter Steudtner war als Referent zu einem Menscherechtsseminar dorthin gefahren. Alle Teilnehmer wurden verhaftet, unter ihnen auch die Türkische Vorsitzende von Amnesty International. Der Vorwurf: Unterstützung einer bewaffneten terroristischen Vereinigung.

»Plötzlich trifft einen die Weltpolitik hautnah«

Christian Zeiske, der evangelische Pfarrer der Gethsemanegemeinde, ringt nach Worten. Aus seiner Fassungslosigkeit über diese Verhaftung macht er keinen Hehl. Noch wenige Tage bevor Peter Steudtner in die Türkei aufbrach, wo er am 5. Juli festgenommen wurde, hatten sie gemeinsam im Garten hier im Prenzlauer Berg gefeiert. Dass er zu diesem Seminar fahren wollte, hatte keine so große Rolle gespielt. »Er war ja oft als Friedensreferent gefragt«, sagt Christian Zeiske. Und jetzt? »Plötzlich trifft einen die Weltpolitik so persönlich und hautnah«, sagt der Pfarrer und blickt aus seinem Amtszimmer hinüber zur Kirche. »Er ist jemand, der Friedfertigkeit und Gewaltlosigkeit wie kaum ein anderer glaubwürdig lebt. Ganz im Sinne der Bergpredigt, die ihm so wichtig ist.«

Der Pfarrer erinnert sich an einen schweren Konflikt in der Gemeinde mit einem psychisch angeschlagenen Mann. Der steht für so viele Konflikte, die Peter Steudtner befriedet und in denen er gleichzeitig allen auch die Grenzen gezeigt hat: »Nicht heroisch, nicht spektakulär – er hat im Alltag so viel Menschlichkeit und Freundlichkeit gelebt«, sagt Zeiske, der lange Pfarrer in Berlin-Kreuzberg war. Und: »Peter Steudtner ist mir einfach ans Herz gewachsen.« Der Politologe und Vater zweier Kinder, das jüngste ist drei Jahre alt, ist auch Vorsitzender des Ausschusses für Kinder- und Jugendarbeit hier in der Gemeinde.

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Die ist vor allem für junge Familien im Kiez ein beliebter Anlaufpunkt. Auch eine Arbeitsgemeinschaft für Flüchtlinge aus Westafrika gibt es. Und als es darum ging, jüngst Flüchtlinge hier in Familien unterzubringen, waren Peter Steudtner, der auch beim Zivilen Friedensdienst aktiv ist, und seine Frau Magdalene Freudenschuss mit von der Partie. Wie bei so vielen anderen Unternehmungen.

Bischof Dröge schreibt an den türkischen Botschafter

Mit Empörung über die Verhaftung hat auch die Kirchenleitung Berlin-Brandenburg Schlesische Oberlausitz reagiert und seine Freilassung gefordert. Der evangelische Bischof Markus Dröge hat aus dem Urlaub zudem an den türkischen Botschafter in Berlin einen Brief geschrieben, in dem er seine Sorge und Unverständnis deutlich macht. »Herr Peter Steudtner hat nicht nur einen einwandfreien Leumund. Er hat sich vielmehr über viele Jahre für Gewaltfreiheit in jeder Art der Konfliktbearbeitung eingesetzt«, schreibt er. Die Untersuchungshaft sei unverantwortlich.

Christian Zeiske setzt nun große Hoffnung auf die Bundesregierung. Deren klare Worte, ob von der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) oder Außenminister Sigmar Gabriel (SPD), begrüßt er. Die Vorstellung, dass Peter Steudtner und seine Mitstreiter weiter in Untersuchungshaft sitzen, ist für ihn unerträglich. Unermüdlich will er mit anderen für seine Freilassung streiten: In jener Kirche, die Symbol dafür ist, dass friedlicher Protest und Dialog Veränderungen bewirken können.

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Hanna Leinemann
23.07.201710:57
Frieden scheint Recep Tayyip Erdogan samt Regierung und AKP sehr zu fürchten. - Ich bete mit für alle Inhaftierten, die nur eine andere Meinung als die Regierung haben, und ihre in Sippenhaft stehenden Familien. -
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