AfD vom Katholikentag ausladen?
Lisi Maier: »Ja! Die AfD gehört nicht zur Familie«
»Kirchenpolitikerinnen und -politiker aller Bundestagsfraktionen sind beim Katholikentag in Münster auf ein Podium geladen. 2016 in Leipzig hatte man sich noch bewusst gegen eine Einladung der AfD entschieden, weil »angesichts der menschenverachtenden Thesen des Führungspersonals eine inhaltliche Auseinandersetzung nicht möglich« sei. Obwohl sich daran nichts geändert hat, stellt man nun einem Rechtspopulisten eine Bühne zur Verfügung. Das Einladungsformat stellt die AfD mit anderen Parteien gleich, wie es auch bei vielen Auftritten auf Podien und in Talkshows in den letzten Jahren gehandhabt wurde. So hat man der Partei zu gesellschaftlicher Akzeptanz verholfen. Durch ihre Vertretung im Bundestag ist die AfD nicht tragbarer für ein Podium auf dem Katholikentag geworden. Im Gegenteil, sie hat sich seit dem Katholikentag 2016 deutlich radikalisiert. Dies schlägt sich in öffentlichen Äußerungen, grundgesetzwidrigen Anträgen im Bundestag sowie in Berichten des Verfassungsschutzes nieder, der einzelne Mitglieder und ihre Verbindungen in die weitere rechtsextreme Szene beobachtet. Die politischen Vorstellungen der AfD bedrohen in letzter Konsequenz alle Religionsgemeinschaften, den Rechtsstaat und die Suche nach gesellschaftlichem Frieden.
Der Katholikentag ist ein Dialogforum, das auf ethischen Voraussetzungen basiert, kein neutrales Terrain, sondern der Küchentisch des Laienkatholizismus. Die Ausladung der AfD von einem Katholikentag bedeutet sicherlich nicht, dass man sich dem Diskurs mit den Rechtspopulistinnen und Rechtspopulisten nicht stellen muss. Sie hingegen zum Katholikentag – und damit sozusagen zur eigenen WG-Party oder zur Familienfeier – nicht einzuladen, sollte selbstverständlich sein. Das ist ein feiner, aber ein maßgeblicher Unterschied.«
Stefan Vesper: »Nein! Wir müssen aktiv streiten«
»Die ZdK-Bewertung der AfD ist absolut eindeutig. Wir haben sie in unserem Berliner Aufruf 2017 beschrieben: »Wir stellen uns entschieden gegen Vorurteile und Hass, auch wenn sie sich als Sorge tarnen. Wir beteiligen uns am demokratischen Wettstreit mit einer klaren Haltung und einem klaren Standpunkt. Wir sagen Nein, wenn Menschen aufgrund ihres Glaubens und ihrer Herkunft diffamiert und verächtlich gemacht werden. Wir sagen Nein zur Verhöhnung demokratischer Politiker und Institutionen. Wir sagen Nein zu gezielten Falschinformationen und zur Verleumdung freier Medien. Wir sagen Nein zu Hetze gegen Andersdenkende und zu Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung.« Für diese Haltung stehen ZdK und Katholikentag. Bereits vor der Bundestagswahl hat die paritätisch vom ZdK und vom Bistum Münster besetzte Katholikentagsleitung entschieden, das Verhältnis des Staates zu den Religionen zu thematisieren, ein wichtiges Thema für den gesellschaftlichen Frieden. Unsere Ansprechpartner hierzu sind seit Jahrzehnten auch die kirchenpolitischen Sprecher der Bundestagsparteien. Zu unserem Bedauern stellt die AfD seit dem Wahltag dort eine große Fraktion. Es ist deshalb ein demokratisches Muss, bei unserer Veranstaltung alle Positionen, auch die der AfD, durch die kirchenpolitischen Sprecher zur Diskussion zu stellen.
Wir sind davon überzeugt, dass es angesichts der Realitäten in unserem Land und Parlament wichtig ist, in eine neue Phase der politischen Auseinandersetzung mit populistischen Strömungen einzutreten: Wir müssen aktiv und persönlich streiten mit denen, die unsere Demokratie verachten und verhöhnen. Und wir müssen viel intensiver mit denen reden, die aus Frust und Protest AfD gewählt haben. Auch nach dem Katholikentag.«
Stefan Vesper (@stefan_vesper), geboren 1956, Religionspädagoge und langjährig leitend in der Erwachsenenbildung tätig, ist Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). Er lebt in Bad Honnef.
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