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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2019
Wahrheit
Auf der Suche nach einem Ideal
Der Inhalt:

Wie erlebt ein Mensch mit Autismus die Welt?

von Birgit-Sara Fabianek vom 30.03.2019
Matthias Huber ist Psychologe – und zugleich ein Mensch mit Autismus. Wie erlebt er die Welt? Ein Gespräch über Gefühle, Mobbing und Reizüberflutung
Menschen mit Autismus, berichtet Matthias Huber, nehmen die Welt anders wahr, sie können etwa Sinneseindrücke schlecht ausblenden, das macht den Alltag für sie sehr anstrengend (Foto:  Markus Hanke)
Menschen mit Autismus, berichtet Matthias Huber, nehmen die Welt anders wahr, sie können etwa Sinneseindrücke schlecht ausblenden, das macht den Alltag für sie sehr anstrengend (Foto: Markus Hanke)

Publik-Forum: Eigentlich macht man am Anfang eines Interviews ein bisschen Small Talk: Man redet übers Wetter, über den Weg oder ob man gut hergefunden hat, solche Sachen. Fühlen Sie sich wohler, wenn wir direkt mit unserem Gespräch beginnen?

Matthias Huber: Auf jeden Fall. Wenn Sie mit Small Talk beginnen, kann es sein, dass ich mir dann schon sehr Mühe gebe, genaue Antworten zu geben. Aber Small Talk würde ja bedeuten, dass ich nicht so in die Tiefe gehen sollte. Und nur den Ball schnell zurückspielen. Wenn jemand übers Wetter spricht, muss ich daher überlegen: Ist das Small Talk oder sein Spezialgebiet, also ist es etwas, was die Person jetzt genau wissen möchte? Darum ist es mir lieber, wenn man diesen Teil weglässt oder sagt, das ist jetzt Small Talk, damit ich weiß, ich muss nicht genau sein, wenn jemand fragt: »Hattest du ein schönes Wochenende? War das Wetter schön?« Ist es Small Talk, kann ich sagen »Och ja, war schön.« Ist es kein Small Talk, überlege ich genau und denke, wirklich schön war das Wetter ja nicht, es war ja nur am Anfang schön, dann hat es geregnet, dann war es ein bisschen bewölkt, aber ohne Regen, dann kamen ein paar Schneeflocken. Ich gehe zu sehr ins Detail, wenn ich das nicht weiß.

Die meisten Menschen konzentrieren sich auf die Augen, um Gedanken und Gefühle ihres Gegenübers zu erkennen. Wieso fällt es Autisten schwer, Blickkontakt zu halten?

Huber: Weil der Blickkontakt wenig sinnvoll ist. Menschen mit Autismus schauen häufig nicht hin, weil es zu wenige deutliche Signale gibt. Man schaut in ein Gesicht, aber erkennt nicht, wie sich die Person mit diesem Gesichtsausdruck fühlt. Weiß

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