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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2016
Schwierige Schüler
Ausrasten, stören, treten: Ein Fall für die Sonderschule? Eine Lehrerin sagt Nein
Der Inhalt:

Surfen oder Sein?

von Rudolf Stumberger vom 17.05.2016
Vor vierzig Jahren erschien »Haben oder Sein«, das Kultbuch des Philosophen Erich Fromm, als Antwort auf die Sinnleere der Konsumgesellschaft. Aber gilt Fromms Botschaft auch noch in Zeiten des Internets? Ein Gespräch mit dem Psychoanalytiker Rainer Funk über Selbstbestimmung in der digitalen Gesellschaft
Vor vierzig Jahren erschien »Haben oder Sein«, das Kultbuch des Philosophen Erich Fromm (rechts). Der Psychoanalytiker Rainer Funk (links) fragt sich: Gilt seine Botschaft auch noch in Zeiten des Internets?  (Foto: Privat. Grafik: pa/Ludwig; Bearbeitung:Publik-Forum)
Vor vierzig Jahren erschien »Haben oder Sein«, das Kultbuch des Philosophen Erich Fromm (rechts). Der Psychoanalytiker Rainer Funk (links) fragt sich: Gilt seine Botschaft auch noch in Zeiten des Internets? (Foto: Privat. Grafik: pa/Ludwig; Bearbeitung:Publik-Forum)

Publik-Forum: Vor vierzig Jahren erschien »Haben oder Sein« – und wurde zum Kultbuch einer Generation. Warum stieß es auf so große Resonanz?

Rainer Funk: Die meisten Leute lasen es als Aufruf gegen das kapitalistische Denken, als eine Art Bibel für postmaterialistische Werte. Es war die Zeit des Ausprobierens: Öko-Landwirtschaft, Kommunen, alternative Lebensweise. Da gab es eine starke Suche nach Alternativen zur Wohlstandsgesellschaft.

Und diesen Zeitgeist hat Fromm getroffen?

Funk: Ja, allerdings wurde die psychologische Dimension des Buches oft nicht verstanden. Es wurde vor allem in Richtung Askese und Verzicht interpretiert – und das war nun überhaupt nicht die Intention von Fromm gewesen. Er saß im schönen Locarno, war mit einer reichen Amerikanerin verheiratet und lebte keineswegs asketisch. In Haben oder Sein geht es vielmehr um zwei Grundeinstellungen zum Leben: Entweder man orientiert sich an etwas, an dem man sich festhalten kann, an Dingen – und damit ist immer eine Orientierung von außen nach innen gemeint. Oder man lebt aus seinen eigenen geistigen, emotionalen und körperlichen Kräften heraus – und steht so quasi auf eigenen Füßen.

Ist die Alternative »Haben oder Sein« heute noch aktuell?

Funk: Wenn man wie vor vierzig Jahren davon ausgeht, dass die Menschen von einer großen Habgier bestimmt sind, dann stimmt das in Einzelfällen auch heute noch. Die breite Bevölkerung ist aber nicht habgierig. Im Gegenteil, die heranwachsende Jugend hat es mit dem Teilen und will alles gemeinsam machen. Liest man das Buch so, wie die meisten es vor v

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