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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2019
Sind wir noch zu retten?
Was in der Klimakrise hoffen lässt
Der Inhalt:

Streit um Nobelpreisträger Peter Handke

von Andrea Teupke vom 24.10.2019
Eine heftige Kontroverse tobt um Peter Handke, der den Nobelpreis für Literatur erhält. Ein Teil der Kritik ist überzogen
Gefeiert und umstritten: Im Dezember erhält Peter Handke den Nobelpreis für Literatur (Foto: pa/ap/Francois Mori)
Gefeiert und umstritten: Im Dezember erhält Peter Handke den Nobelpreis für Literatur (Foto: pa/ap/Francois Mori)

Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit. Hatten die Mitglieder des Nobelpreiskomitees das bedacht, als ihre Wahl auf den österreichischen Dichter Peter Handke fiel? Lange hat keine Preisverleihung so heftige Kontroversen ausgelöst wie diese. In Artikeln, Tweets und Videos überbieten sich Kritiker mit heftigen Anklagen: Handke habe den Völkermord verteidigt, er sei ein Genozidleugner und Diktatoren-Freund, und außerdem habe er seine Frau geschlagen. Abgesehen davon, dass es kaum möglich ist, etwas gleichzeitig gutzuheißen und zu leugnen, erwecken manche Wortmeldungen den Eindruck, dass ihre Verfasser Handkes Bücher nie gelesen haben, sondern sich immer wieder derselben – oft aus dem Zusammenhang gerissenen – Zitate bedienen. Das war schon so, als Handke den Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf bekommen sollte, und das war so, als er 2014 in Norwegen den Ibsen-Preis erhielt.

Handke hat sich verirrt

Tatsächlich hat Handke sich gründlich verirrt in seinem Schreiben über Jugoslawien. Es gibt widerliche Formulierungen von ihm, in denen er etwa über die »serbokroatisch sprechenden, serbischstämmigen Muselmanen Bosniens« herzog. Auch Eva Menasse, die den Nobelpreis dennoch für »goldrichtig« hält, kritisiert, dass »seine Einlassungen unklar, raunend und an Stellen poetisierend waren, wo Poetisches nur obszön sein konnte«.

Dabei ging es ihm nicht um eine Parteinahme pro Serbien: »Ich hab nur gefragt, wie kommt es, dass Deutschland und Österreich sofort, wie in den alten Zeiten, wieder zusammengehen mit Kroatien«, zitiert ihn Peter Kümmel in der Zeit. »Immer die gleichen Feindschaften und Bündnisse. Sofort wird Kroatien anerkannt – ohne dass man

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Georg Lechner
05.11.201908:18
Srebrenica ging auf das Konto der bosnischen Klerikalfaschisten Karadzic und Mladic (später in Zusammenhang mit dem Attentäter von Christchurch zu sehen). Ihre Waffen dürften sie eher aus westlichen Quellen erhalten haben, wie der Bericht der US-Militärzeitschrift "Defense Foreign Affairs Strategic Policy" vom 21.12.1992 nahelegt.
Georg Lechner
28.10.201920:30
Nicht nur Handke war empört über den Versuch, Milosevic zum Alleinschuldigen zu stempeln. Auch Alice Mahon, die letzte Zeugin im Prozess vor dem Tod von Milosevic, räumte in ihrer Aussage vor dem Tribunal mit der gängigen Lügenpropaganda auf und stellte klar, dass es das angebliche Massaker von Racak (die offizielle Begründung für den Krieg gegen Serbien) gar nicht gegeben hat und obendrein die Kriegsvorbereitungen längst begonnen hatten (was auch durch die Analyse von Heinz Loquai in der FAZ vom 25.9.1998 belegt ist).
Hier die Dokumentation des letzten Prozesstages in Den Haag: https://www.icty.org/x/cases/slobodan_milosevic/trans/en/060301IT.htm
Mahon benennt darin auch die fehlenden Sanktionen gegen das Führen des völkerrechtswidrigen Krieges von 1999 als Türöffner und Ermutigung für die weiteren imperialen Kriege gegen Afghanistan, den Irak usw.
Siehe auch: https://www.derstandard.at/story/2000101791505/vor-20-jahren-log-die-nato-im-kosovo-krieg