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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2020
Zukünfte gesucht!
Wohin sich Politik, Kirchen und Gesellschaft entwickeln werden
Der Inhalt:

Pfeif auf das Über-Ich!

vom 12.01.2020
Der Letzte Brief (Vorsicht Satire!): Die Messlatte hochgelegt – und möglichst ungestreift untendurch. Das ist das Prinzip der guten Vorsätze zu Neujahr. Lesen Sie in der Serie »Der Letzte Brief« über eine Tradition der Inkonsequenz.
(Zeichnung: pa/dieKLEINERT.de/Schwarwel)
(Zeichnung: pa/dieKLEINERT.de/Schwarwel)

der Januar ist schon bald Vergangenheit – und ihr seid es auch. Wie zwei Drittel der Deutschen habe ich mir vorgenommen, im neuen Jahr mehr zu entspannen. Das ging die ersten Tage gut, doch zu Dreikönig musste ich zur Arbeit, und es war vorbei mit »Stress vermeiden«. »Mehr Sport treiben« – auch dieses Ziel ging ich mit großem Elan an. Zweimal war ich schwimmen – wobei ich zugeben muss: Die Thermalbäder waren eher ein »Sich-im-Wasser-Aufhalten«. »Umweltbewusster leben« zählt neuerdings zu den Top drei im Gute-Vorsätze-Ranking, mehr als sechzig Prozent der Deutschen wollen das. Seltsam nur, dass sich gleichzeitig nur zwanzig Prozent darüber informieren, wie sie eine Reise umweltneutral gestalten. »Gesünder ernähren« – gut die Hälfte der Deutschen hat sich das zu Jahresbeginn vorgenommen. Ich natürlich auch. Seit geraumer Zeit schon lebe ich als Semi-Vegetarier. Doch als es mich neulich aufgrund widriger Umstände in eine Metzgerei verschlug, konnte ich nicht anders, als mir eine gekochte Schweinshaxe zu kaufen. Und das »Abnehmen«, das sich unzählige Pfunde-Geplagte alljährlich vornehmen, ist auch so eine Sache. Ich nehme zwar ab – doch leider nur an Muskelmasse, weil meine Vorsätze eins, zwei und vier nicht greifen.

Was soll’s. Zur Tradition der guten Vorsätze gehört es doch, sie nicht einzuhalten. Sie sind geradezu dafür geschaffen, gebrochen zu werden. Die Messlatte möglichst hoch legen und ungestreift unten durchkommen. Pfeif auf das Unerreichbare, auf das Über-Ich, auf die Fremdbestimmung, verhalte dich lieber so, dass das Leben Spaß macht. Meinte Martin Luther das, als er riet: »Pecca fortiter!«, sündige tapfer? Tja, liebe Vorsätze, damit müsst ihr nun leben. Oder aber ich nehme mir etwas vor, dessen Scheitern gut fü

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Georg Lechner
15.01.202015:42
Wie sagt schon die Dorfjugend? Der Weg zu Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert. Naja, die kennt natürlich das Zitat von Thomas von Aquin nicht, dass die Hölle nur ein Konstrukt der Theologen ist. Wer hätte ihr das Zitat nahebringen können? Der Dorfpfarrer? Der würde sich hüten, selbst wenn er es kennt.