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Idomeni heißt jetzt anders

von Chrissi Wilkens, Salinia Stroux vom 24.12.2016
Im Mai wurde das Flüchtlingslager in Idomeni geräumt. In Spitzenzeiten lebten bis zu 14.000 Menschen im Camp an der griechisch-mazedonischen Grenze. Doch die Flüchtlinge sind nicht weg, nur weil ein Lager verschwindet. Zu Tausenden warten sie in Nordgriechenland auf Asyl, verteilen sich auf Dutzende neue »Idomenis« . Wir haben Menschen besucht, die an Heiligabend ohne Heimat sind – und sich doch so sehr nach einer Heimat sehnen
Heiligabend auf der Flucht: Wie diesem Vater und seinem Kind geht es vielen. (Foto: pa/Cupolo)
Heiligabend auf der Flucht: Wie diesem Vater und seinem Kind geht es vielen. (Foto: pa/Cupolo)

»Wir sind so müde. Wir müssen endlich an einem sicheren Ort ankommen«, sagt R. aus Syrien, während sie mit trägen Bewegungen ihr kleines Zimmer im Containerhaus aufräumt, wo sie seit ein paar Tagen mit ihrer Familie untergebracht ist. Die 32-jährige gelernte Kinderpsychologin ist zusammen mit ihren zwei kleinen Kindern aus Latakia geflohen. »Bum, bum, bum... So ist es bei uns in Syrien«, sagt sie und malt mit einer Hand die runterstürzenden Bomben in die Luft.

Es ist Weihnachten, doch in den Flüchtlingslagern in Nordgriechenland ist keine heilige Stimmung zu spüren, sondern Ohnmacht und Ausweglosigkeit. Für viele der 7.700 Menschen in den Lagern des Großraums Thessaloniki sind es schon mehr als zehn Monate, die sie warten und warten. Kurz vor oder nach der Schließung des Balkankorridors kamen sie damals in Idomeni an, dem Grenzort in Nordgriechenland, in dem zwischenzeitlich mehr als 14.000 Flüchtlinge ausharrten. Im Mai räumte die linksgerichtete Regierung von Alexis Tsipras schließlich endgültig das informelle Lager.

Die Flüchtlinge wurden in verschiedene Massenlager verteilt, die das Militär über Nacht hochgezogen hatte. So entstanden Dutzende Zeltstädte auf leeren Feldern, abgeschirmt mitten im Nichts. Auch leere Fabrikhallen wurden zu provisorischen Flüchtlingslagern. Monate später ersetzen heute langsam Container die Flüchtlingszelte. Doch die Trostlosigkeit wächst trotz Heizungen und fließend Wasser, während in den noch bestehenden Zeltdörfern mittlerweile der letzte Funken Hoffnung stirbt. Es bleibt wohl ein frommer Traum von einigen Schwärmern, dass sich hier noch mal etwas ändert.

Erst das Warten auf die Wiederöffnung der Grenze. Dann kein Zugang zur Asylbehörde,

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