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Eine Zeitreise ins Getto

von Markus Dobstadt vom 15.04.2016
In Frankfurt schickt das Museum Judengasse mit einer neu gestalteten multimedialen Ausstellung die Besucher auf eine Zeitreise. Sie erleben hautnah die untergegangene Welt des jüdischen Gettos. Lange Zeit war die unbeachtet geblieben. Das wirft die Frage auf: Wie wichtig ist es eigentlich, dass Städte an ihre eigene Vergangenheit erinnern?
Viel ist nicht mehr übrig: Das Frankfurter Museum Judengasse zeigt in einer neu gestalteten spannenden Ausstellung die Überreste des ersten Gettos für Juden in Europa, es bestand rund 400 Jahre (Foto: Miguletz/jüdisches Museum Frankfurt)
Viel ist nicht mehr übrig: Das Frankfurter Museum Judengasse zeigt in einer neu gestalteten spannenden Ausstellung die Überreste des ersten Gettos für Juden in Europa, es bestand rund 400 Jahre (Foto: Miguletz/jüdisches Museum Frankfurt)

Im Jahr 1460 beschließt der Frankfurter Stadtrat, dass die jüdische Bevölkerung künftig in einem eigenen Bezirk wohnen muss. So entsteht östlich der Altstadt die schmale Judengasse, das erste europäische Getto. Es liegt außerhalb der Stadt, ist von Mauern umgeben, der Zugang nur über drei Tore möglich, die nachts, sonntags und an den christlichen Feiertagen geschlossen werden. Dann sind die Juden in ihrem Viertel eingesperrt. Noch 1769 lehnt der Frankfurter Rat eine Petition der Juden ab, das Getto am Sonntagnachmittag verlassen zu dürfen. Die Bitte sei ein »Beweis für den grenzenlosen Hochmut dieses Volkes, das alle Mühe anwende, um sich bei jeder Gelegenheit den christlichen Einwohnern gleich zu setzen«.

Neueröffnung nach zweijährigem Umbau

Im 17. Jahrhundert leben im Getto bis zu 3000 Menschen auf engstem Raum. Die rund 330 Meter lange Gasse wird zu einem Zentrum jüdischer Kultur. Separiert zwar von der übrigen Stadt, doch es gibt über Handwerk und Handel auch einen regen Austausch. Es ist ein Kommen und Gehen. »Juden und Christen kannten die Lebenswelt der anderen«, heißt es in der neu gestalteten Ausstellung des nach zweijährigem Umbau wiedereröffneten Frankfurter Museums Judengasse.

Das Museum zeigt Fundstücke aus dem Viertel, stellt Familien vor, die dort gelebt haben, informiert über jüdische Literatur, Musik und religiöse Gebräuche. Bedeutende Rabbiner lebten im Getto, es gab eine eigene Verwaltung und Gerichtsbarkeit, die Sprache der Bewohner war Jiddisch. Die Häuser trugen Namen wie Fröhlicher Mann, Goldene Kanne oder Pelikan. Das Haus Grünes Schild wurde berühmt und später zum Museum, weil Mayer Amschel Rothschild, der Begründer

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