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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2014
Revolutionäre, wo seid ihr geblieben?
Der Herbst 1989 und sein Erbe
Der Inhalt:

Campino: »Ich war ergriffen«

von Thomas Becker vom 14.10.2014
Wie ein Text aus dem Warschauer Ghetto zur größten Herausforderung für den Punkrocker Campino wird. Und warum er keine Religion ganz akzeptieren kann. Ein Gespräch
Campino: In diesen Tagen wurde er von der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf mit der renommierten Josef-Neuberger-Medaille ausgezeichnet. (Foto: pa/Jazz Archiv/Clemens Niehaus)
Campino: In diesen Tagen wurde er von der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf mit der renommierten Josef-Neuberger-Medaille ausgezeichnet. (Foto: pa/Jazz Archiv/Clemens Niehaus)

Publik-Forum: Die »Toten Hosen« rocken seit dreißig Jahren mit ihren Songs gegen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus. Jetzt wurden sie von der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf mit der renommierten Josef-Neuberger-Medaille ausgezeichnet. Was verbindet den Punkrocker mit dem Judentum?

Campino: Mein Vater war Soldat im Zweiten Weltkrieg, danach hat er meine Mutter kennengelernt, eine Engländerin. Er war Richter und ehrenamtlicher Presbyter in einer evangelischen Kirche, und meine Eltern waren sehr daran interessiert, den Dialog mit Juden zu führen. Sie sind deswegen nach Israel gereist. Meine Schwester hat, als sie sechzehn war, in einem Kibbuz gelebt und gearbeitet. Ich bin in dem Bewusstsein aufgewachsen, dass Deutschland Verantwortung für die im Nationalsozialismus begangenen Verbrechen trägt. Vor diesem Hintergrund war es etwas ganz Besonderes, als deutsche Band in Israel zu spielen.

Wie haben Sie das erlebt?

Campino: Ich habe es anfangs als sehr seltsam empfunden, israelischen Boden zu betreten und durch die Straßen zu gehen in der Vorstellung, dass die Deutschen dieses Volk einmal ausradieren wollten. Vor gut vier Jahren haben wir in Tel Aviv gespielt. Es war mein erster Aufenthalt in Israel überhaupt. Mir war wichtig, etwas vom dortigen Lebensgefühl einzufangen. Dazu gehört ein Besuch einer Synagoge ebenso wie ein Vormittag am Strand.

Wie wurden Sie empfangen?

Campino: Sehr positiv. Ich erinnere mich vor allem an einen Rentner, der jedes unserer Lieder euphorisch beklatscht hat. Am Ende des Konzerts hat er von der Balustrade aus versucht, mir

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