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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2014
Revolutionäre, wo seid ihr geblieben?
Der Herbst 1989 und sein Erbe
Der Inhalt:

Kultige Klötzchen

von Andrea Teupke vom 10.10.2014
Das Computerspiel »Minecraft« ist eines der erfolgreichsten Kulturphänomene der Gegenwart – mit gewaltigen Umsätzen und eigenen Stars. Die meisten Erwachsenen haben von dieser Welt bisher kaum etwas mitbekommen

Stell dir vor, du spielst Lego und die Steine sind nie alle! Mit dieser schlichten Idee ist das schwedische Computerspiel Minecraft zu einem der erfolgreichsten Kulturprodukte aller Zeiten geworden. Microsoft hat soeben 2,5 Mil liarden Dollar bezahlt, um dem Entwickler des Spiels, Markus Persson, seine Firma abzukaufen. 2,5 Milliarden: Das ist weit mehr als etwa Joanne Rowling, die Schöpferin von »Harry Potter«, oder ABBA, die singenden Superschweden, mit ihren Werken verdient haben.

Erstaunlich ist dieser Erfolg schon deshalb, weil Computerspiele in der Regel längst ähnlich aufwendig produziert werden wie Hollywoodspielfilme – mit ausgeklügelten Plots, individuellen Charakteren, bombastischen Soundtracks und vor allem fotorealistischer Grafik, die auf pure Überwältigung zielt. Nichts von all dem trifft auf Minecraft zu. Sowohl Grafik als auch Spielidee sind denkbar simpel: Ein Männchen bewegt sich in einer Welt aus Klötzchen. Es kann laufen, springen, Klötzchen abbauen und stapeln. Und das war es im Wesentlichen schon. Trotzdem wurden bisher allein für den PC fast 17 Millionen Lizenzen weltweit verkauft.

Woher rührt die Faszination der virtuellen Bausteine, die sich seit fünf Jahren unaufhaltsam in die Kinderzimmer dieser Welt ergießen? Der Schlüssel zum Erfolg könnte in der Freiheit liegen, die das Spiel seinen Spielern lässt. Es gibt keine Missionen zu erfüllen, keine Aufgaben zu bestehen – außer der, in der Klötzchenwelt zu überleben. Dazu muss der Spieler sich zuallererst einen Unterschlupf bauen. Denn nachts kommen böse »Zombies« und »Creeper«, die allerdings eher niedlich als bedrohlich aussehen, und wollen ihn umbringen. Also muss er Bäume fällen, um Holz zu gewinnen, Werkzeuge bauen und sich Essen besorgen. Er kann Schafe scheren und Kühe melken, Hühner halten und Weizen züchten. Dazu haben fleißige Programmierer Tausende von Erweiterungen kostenlos ins Internet gestellt: Bauteile für Maschinen oder elektronische Schaltkreise, aus denen sich vollautomatische Fabriken bauen lassen.

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt: Längst haben kreative Spieler Schloss Neuschwanstein nachgebaut oder die Burg Minas Tirith aus dem »Herrn der Ringe«. Weil das modellieren mit Minecraft so einfach ist, wir

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