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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2019
Raus aus der Angst!
Kirchentag 2019. Worauf man vertrauen kann
Der Inhalt:

»Bauarbeiter sind keine Dumpfbacken«

von Michael Schrom vom 16.07.2019
Müssen wir der Erde Gewalt antun? Nikolaus Geyrhalter hat einen Dokumentarfilm über die größten Baustellen der Welt gedreht – und wundert sich über die Filterblase, in der manche Zuschauer leben. Sein Film »Erde« läuft jetzt im Kino an
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Arbeiter in einer Braunkohlegrube in Ungarn: Der Film »Erde« zeigt Baustellen wie offene Wunden. (Foto: NGF/Geyrhalter)
Arbeiter in einer Braunkohlegrube in Ungarn: Der Film »Erde« zeigt Baustellen wie offene Wunden. (Foto: NGF/Geyrhalter)
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Publik-Forum: Herr Geyrhalter, was hat Sie gereizt, einen Film über Steine, Geröll und Erde zu machen?

Nikolaus Geyrhalter: Das ist ja nur das, was man an der Oberfläche sieht. Wir leben im Anthropozän. Unsere geschichtliche Epoche ist unter anderem dadurch gekennzeichnet, dass der Mensch wesentlich mehr Erdoberfläche bewegt, als das die Natur tut. Das wollte ich mir genauer anschauen.

Ihr Dokumentarfilm »Erde« zeigt die größten Baustellen der Welt wie offene Wunden. Das erweckt den Eindruck: Der Mensch tut da etwas, was er eigentlich nicht darf.

Geyrhalter: Ja, dieser Eindruck ist auch beabsichtigt. Aber zugleich denkt der Zuschauer weiter und versteht, dass jede dieser Wunden einen Grund hat. Es sind jedenfalls nicht die Baggerfahrer, denen man die Schuld zuschreiben kann! Der Lebensstil unserer Gesellschaft, unser Konsum und die Anzahl der Menschen sind dafür verantwortlich. Natürlich ist es ein kritischer Film, der diese Prozesse vor Augen führt. Aber wenn man fragt, was man tun kann, wird es schwierig.

Auch die Arbeiter im Film philosophieren über ihr Tun. Der spanische Mineningenieur sagt sinngemäß: Die Erde gibt ihre Schätze, die wir zum Leben brauchen, nicht freiwillig preis. Also müssen wir ihr Gewalt antun, wenn wir nicht in Höhlen leben wollen. Teilen Sie diese Ansicht?

Geyrhalter: Ich denke, das ist so. Die Frage ist nur, in welchem Ausmaß sich dieser Prozess vollzieht. Wo sind die Grenzen? Unser Lebensstil braucht extrem viele Ressourcen. Ein weiteres Problem ist die Beschleunigung in allen Lebensbereichen.

Macht I

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