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Machtloser Götze

In Kirchen Bildern von Menschen zu begegnen, ist nicht ungewöhnlich. Wenn dort allerdings Hitler im Altarraum oder im Bleiglasfenster auftaucht, ist das für Besucher zumindest irritierend. Michael Kuderna hat für ein Buchprojekt Hitler-Bilder in Kirchen erforscht: Wie kamen sie dorthin, was sagen sie aus, und wie geht man damit um?
von Anne Strotmann vom 04.11.2022
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Fritz Kary, Pfarrer in Bad Dürkheim und überzeugter Gegner des NS-Regimes, gab dem Künstler Paul Thalheimer 1938 den Auftrag, ein Wandgemälde für den Altarraum zu schaffen. Thalheimer versetzte die Kreuzigung Jesu in die Pfälzer Landschaft. Erstaunlich ist das Gesicht des Schächers links im Bild. Wenn man näher herantritt, fällt die Ähnlichkeit mit Adolf Hitler ins Auge: Die Gesichtszüge, die schwarze Haarsträhne, der Bürstenbart. Doch handelt es sich tatsächlich um den Diktator? Vor dieser Frage stand Michael Kuderna bei den Recherchen für sein Buch »Grenzüberschreitungen« (siehe Seite 48) mehrfach. Kuderna untersuchte 17 angebliche oder tatsächliche Hitler-Bilder in Kirchen und recherchierte ihren Entstehungskontext. Bilder, die, wie dieses, während des NS-Regimes entstanden, sind anders zu betrachten als solche, die nach 1945 Hitler gefahrlos und eindeutig negativ darstellen. Letzteres gilt für das Bleiglasfenster in der Kirche Sainte-Thérèse in Vasperviller, das Ausgangspunkt für Kudernas Projekt war. Es zeigt Rahel, die aus frommem Ungehorsam die Hausgötzen ihres Vaters stiehlt. Einer der Götzen im Fenster ist eine Karikatur Hitlers. Analog zur biblischen Geschichte, die die Machtlosigkeit der falschen Götter vorführt, kritisiert das Fenster die häretische Vergötterung des Diktators.

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