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Erinnerung an NS-Opfer
Fritz Goldstein bleibt unsichtbar

Fritz Goldstein überlebte die NS-Verfolgung und kehrte nach dem Krieg nach Heidenau zurück. Nun hat der Stadtrat beschlossen, dass er keinen Stolperstein bekommen soll – und nicht nur er.
von Nana Gerritzen vom 06.10.2026 Vorgelesen von einer künstlichen Stimme.
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Erinnerung im öffentlichen Raum: Stolpersteine machen die Schicksale von NS-Verfolgten an ihren früheren Wohnorten sichtbar. (Foto: PA / DPA / Robert Michael)
Erinnerung im öffentlichen Raum: Stolpersteine machen die Schicksale von NS-Verfolgten an ihren früheren Wohnorten sichtbar. (Foto: PA / DPA / Robert Michael)

Fritz Goldstein, Jahrgang 1900, war jüdisch und lebte mit seiner Frau Martha und der gemeinsamen Tochter Leonore in Heidenau, rund 15 Kilometer südöstlich von Dresden. Er arbeitete in einer Glasfabrik und im Tiefbau, seine Frau war Schneiderin. Am 27. Oktober 1938 wurde die Familie von der örtlichen Polizei verhaftet und nach Polen abgeschoben, ihr Besitz wurde beschlagnahmt. Später gelangten die Goldsteins bis nach Kasachstan. 1941 meldete sich Fritz Goldstein zur Roten Armee und diente als Sanitäter. Nach dem Krieg kehrte er nach Heidenau zurück, wurde Standesbeamter der Stadt und starb 1950 im Alter von 50 Jahren.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 19/2026 vom 09.10.2026, Seite 29
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An das Schicksal der Familie sollte mit Stolpersteinen vor ihrem früheren Wohnhaus erinnert werden. Doch daraus wird nichts: Der Heidenauer Stadtrat hat auf Antrag von CDU, AfD und der Bürgerinitiative »Oberelbe für mehr Demokratie« Ende September beschlossen, künftig keine weiteren Stolpersteine im öffentlichen Raum der 16 500-Einwohner-Stadt zuzulassen. Die Stolpersteine für Fritz und Martha Goldstein und zehn weitere Menschen, die in Heidenau lebten und Opfer des NS-Regimes wurden, werden nicht verlegt. Die Antragsteller begründen den Schritt damit, dass die kleinen Messingtafeln im Boden kein würdiges Gedenken ermöglichten, weil Menschen über die Namen der NS-Opfer »vielleicht gedankenlos« hinweggingen. Stattdessen solle ein zentraler Erinnerungsort auf einem städtischen Friedhof entstehen. Ein konkretes Konzept dafür gibt es noch nicht.

Gunter Demnig, Künstler und Initiator des Stolpersteinprojekts, kritisiert den Beschluss als »absurd« und »beschämend«. »Das ist eine Ausgrenzung der Opfer aus dem öffentlichen Raum«, sagte er. Gerade die Verknüpfung von Biografie und konkretem Wohnort sei die Stärke der Stolpersteine: »Die Namen sollen dahin zurückkommen, wo das Grauen begonnen hat«, so Demnig. Auch Gabriella Meros, Vorsitzende des Vereins »Respect & Remember Europe« und Tochter eines Holocaust-Überlebenden, äußert Kritik – dabei lehnt ihr Verein Stolpersteine selbst ab und setzt sich stattdessen für Gedenktafeln an den ehemaligen Wohnhäusern ein. Das Vorgehen in Heidenau bezeichnet sie dennoch als »empörend«. Das Argument des unwürdigen Gedenkens sei von den Parteien, die im Stadtrat gegen weitere Stolpersteine gestimmt hätten, missbraucht worden. Das Problem sei, dass die AfD »das Gedenken selbst abschaffen will«, sagte sie. Die Entscheidung sei »nicht im Interesse der Erinnerung an die Opfer«. Die europaweit inzwischen mehr als 116 000 Stolpersteine gelten als größtes dezentrales Mahnmal der Welt.

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