Die Rätsel der Natur
Wie kann man sich Gott und sein Handeln in einer Welt vorstellen, die heute in der Regel auf der Basis der Naturwissenschaften beschrieben und erklärt wird? Das ist eine für Christen nicht immer einfach zu beantwortende Frage. Für viele scheint die Quantenphysik hier einen Ausweg darzustellen. Denn ihr Weltbild ermutigt augenscheinlich zu Neuformulierungen des Glaubens. Willigis Jäger, Hubertus Halbfas oder Klaus-Peter Jörns beispielsweise argumentieren in ihren Plädoyers für eine neue Sicht der Religion immer auch mit den Erkenntnissen der Quantenphysik. Denn diese zeigt auf, dass sich die Wirklichkeit, der wir begegnen, oft höchst wunderlich verhält: Viele Phänomene zeigen sich uns nicht eindeutig, sondern schillernd, je nach Situation dessen, der sie beobachtet. Kann, ja muss das nicht auch Konsequenzen für das christliche Weltbild haben? Zeigen nicht gerade die Rätsel und ungelösten Fragen der Quantenphysik, dass sich jenseits einer determinierten Welt Räume öffnen, in der auch die Darstellung Gottes einen Platz haben kann? Ist es nicht gerade die Quantenphysik, die uns eine neue Weltsicht lehrt, die über die geschlossene Welt der klassischen Physik hinausgeht? Ist es nicht gerade mithilfe der Quantenphysik möglich, die Erkenntnisse der modernen Naturwissenschaften zu akzeptieren und zugleich die Existenz Gottes zu behaupten?
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Frank Vogelsang, geboren 1963, ist Direktor der Evangelischen Akademie im Rheinland. Der Diplom-Ingenieur und Theologe ist Herausgeber mehrerer Bücher über das Verhältnis von Natur- und Geisteswissenschaften. Die Akademie wird vom 6. bis 8. Dezember eine Tagung zu den »Rätseln der Quantenphysik« durchführen.
