No religion, please!
Ein halbes Jahrtausend lang hat die anglikanische Kirche die englische Kultur und die englische Identität zentral geprägt. Doch ihr Einfluss schwindet, die anglikanische Kirche ist gefangen in einer Abwärtsspirale. Lediglich ein Prozent ihrer Mitglieder besucht noch regelmäßig den Gottesdienst. Rund sechzig Prozent der jüngeren Menschen gehören keiner Kirche an. Sie sagen: No religion! Das Band zwischen der Kirche und den Menschen ist aufs Äußerste gespannt, oft schon gerissen. Rätselhaft bleibt, wie dies einer reichen, mächtigen und in der Verfassung verankerten Kirche widerfahren konnte. Wieso sind beispielsweise die Schwesterkirchen in Skandinavien, die alten protestantischen Nationalkirchen, von dieser Entwicklung verschont geblieben? In Dänemark etwa zahlen drei Viertel der (erwachsenen) Bevölkerung eine freiwillige jährliche Kirchensteuer, die vom Staat eingezogen wird. Zwei Drittel aller Kinder werden getauft. Bei mehr als achtzig Prozent aller Bestattungen steht ein christlicher Seelsorger am Grab.
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Linda Woodhead ist Professorin für Religionssoziologie an der Universität Lancaster in Großbritannien. Übersetzung: Christina Kotte
