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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2014
Papst Franziskus und seine Gegner
Der Inhalt:

Einmal ein jüdischer Junge sein

von Martina Schwager vom 08.08.2014
Beim Projekt »Judentum begreifen« erleben Schüler, wie Juden glauben

Jan setzt sich eine Kippa auf den Kopf. Aufmerksam verfolgt der Zehnjährige, wie der jüdische Künstler Sasha Ginsburg ihm den Tefillin, den Gebetsriemen, um den Arm bindet. »Jetzt bin ich ja ein richtiger jüdischer Junge«, sagt Jan und strahlt. Der 55-jährige Künstler zeigt den Fünftklässlern im Greselius-Gymnasium in Bramsche seine Kultur und Religion. »Judentum begreifen« nennt sich das Projekt.

Träger der Initiative war zunächst die Osnabrücker Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, seit 2012 ist es der Verein Judentum begreifen. Seit 2007 gehen Juden in die Schulen in Osnabrück und im Emsland und gestalten dort einen Projekttag. Begleitet werden sie vom Initiator und Leiter des Projekts, Aloys Lögering. Der 71-Jährige ist Katholik.

Der Verein bietet Workshops an, in denen die Kinder koscher kochen oder mit Sasha Ginsburg jüdische Symbole malen. Persönliche Begegnungen sollen jüdische Kultur und Religion lebendig machen, sagt Lögering: »Wir ergänzen den Unterricht mit Kopf, Herz und Hand.« Werbung macht der Verein kaum. »Unsere gute Arbeit spricht sich herum. Wir sind bis zu dreißig Tage im Jahr unterwegs.«

Dem jüdischen Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik zufolge ist das Projekt vorbildlich. Er beobachtet seit Jahren, dass »das kulturelle Wissen um die Bedeutung der Religionen schwindet«. Für eine multikulturelle Migrationsgesellschaft wie Deutschland sei es wichtig, dass jeder die Religion und Kultur des anderen kenne. Würden solche Projekte über Jahre in die Stundenpläne eingebaut, könnten sie auch dem Antisemitismus entgegenwirken.

Diese Art der Vermittlung sei »genau der richtige Weg«, betont der Vorsitzende des Verbandes der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen, Michael Fürst. Er hält es für besonders wichtig, dass auch muslimische Schüler einbezogen werden: »Schön wäre es, wenn auch deutsch-palästinensische Gesellschaften mitmachten.«

Der pensionierte Lehrer Aloys Lögering engagiert sich seit Jahren für das Miteinander der Religionen. Das Projekt »Judentum begreifen« finanziert er unter anderem mithilfe des Bistums Osnabrück und der hannoverschen Landeskirche.

Ins Greselius-Gymnasium haben Lögering, Ginsburg und Projektkoordinatorin Inessa Goldm

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