Buch des Monats
Arbeit für den Frieden
Josef Freise
Gewaltfreie Soziale Arbeit für Frieden und Demokratie
Eine transdisziplinäre Grundlegung.
Beltz Juventa. 321 Seiten. 38 €; E-Book 34,99 €
Wie können Zivilgesellschaft und soziale Arbeit den Frieden stärken? Dieser Frage widmet sich Josef Freise in seinem Buch »Gewaltfreie Soziale Arbeit für Frieden und Demokratie«.
Der Erziehungswissenschaftler und Theologe war bis zu seiner Pensionierung Professor im Fachbereich Sozialwesen und forschte und lehrte zu den Schwerpunkten Migrationssozialarbeit, interreligiöser Dialog und internationale Friedensbildung.
Freise ist außerdem beim internationalen Friedens- und Freiwilligendienst EIRENE, bei der Initiative »gewaltfrei handeln« und in der Christlich-Muslimischen Friedensinitiative Deutschland engagiert.
Diese Perspektiven bringt er in seine friedensorientierte Abhandlung mit ein. In den 14 Kapiteln seiner gründlichen Auseinandersetzung widmet er sich der Analyse von Gewalt, Rassismus und Diskriminierung, um dann konstruktive Perspektiven und Schritte für Demokratie, Gewaltfreiheit und soziale Arbeit vorzustellen.
Das Buch ist interdisziplinär aufgestellt, und schließt von der Psychologie über die Politik- und Sozialwissenschaft bis hin zur Philosophie und Religionswissenschaft verschiedenste Erkenntnisse ein. So liefert Freise Problembewusstsein zum »Populismus als kriegsfördernde Bedrohung« und zum »Kapitalismus als Kriegstreiber«, insbesondere zum »prekären Verhältnis von Kapitalismus und Demokratie«.
Er beschreibt die unterschiedlichen Formen der Traumatisierung durch Gewalt und Krieg und thematisiert die »Gewalt mit religiösem und weltanschaulichem Bezug«, insbesondere auch »Gewalt in der sozialen Arbeit«.
Eingehend greift er die pazifistischen Ansätze von Judith Butler, Emmanuel Levinas, Martin Buber und Martin Niemöller auf, bis hin zu den »Prinzipien der Friedenslogik« nach Hanne-Margret Birckenbach und dem Konzept der sozialen Verteidigung.
Er sieht Bausteine für gewaltfreie Haltungen und Handlungen in den Weltreligionen und geht auf zahlreiche historische Beispiele ein, die eine »Praxis der Gewaltfreiheit« ermöglichen, wie sie etwa von der Friedensaktivistin Hildegard Goss-Mayr begründet wurde.
Soziale Arbeit ist für Freise aus sich heraus gewaltfrei oder sie ist keine soziale Arbeit. Daher tritt er in den Schlusskapiteln ein für den »Abbau der Gewalt, von direkter physischer und psychischer Gewalt, von struktureller, in unseren Gesetzen und Regelungen verankerter Gewalt und in unserem Denken tief verfestigter Gewalt«. Dieser Abbau von Gewalt müsse getragen sein von Herzens- und Gewissensbildung.
Kritische soziale Arbeit will Humanität fördern, sodass »einzelne Menschen, Gruppen und Gesellschaften die in ihnen vorhandenen Kräfte des Guten mobilisieren und so die durch unterschiedliche Gewaltformen bedingten Einschränkungen der Entfaltung von Potenzialen überwinden«, schreibt Freise. Er präsentiert ein überzeugendes Konzept von sozialer Arbeit als Friedensarbeit – ein starker Beitrag für unser Jahrhundert.

