Der neue Sound des Weltchristentums
Als ich im Jahr 2000 zum ersten Mal eine Mega-Kirche in Asunción/Paraguay betrat, schnürte sich mir meine protestantische Kehle zu, die eigentlich gern und laut singt. Ich konnte kaum mitfeiern, geschweige denn die innere Konzentration und Ruhe finden, um zu beten. Aus dem lutherischen Sachsen stammend, wusste ich wohl, was Gottesdienst bedeutet. Aber im Herzen Südamerikas bekam ich vor Augen geführt, in welcher spirituellen Provinz ich aufgewachsen war: Während ich in Dresden alte, um die Jahrhundertwende erbaute Kirchengebäude, Paul-Gerhardt-Lieder, Frauen ordination sowie ökumenische Gottesdienste mit der katholischen Nachbargemeinde für die christliche Normalität hielt, wurde ich hier eines Besseren belehrt. Anstelle einer Jugendstil-Kirche fand ich ein riesiges theatergleiches Auditorium vor, anstelle einer kräftigen Orgel eine Hightech-Band mit vielen Musikern und Sängern, anstelle einer Pastorin im Talar einen Geschäftsmann im Anzug.
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Annegreth Schilling ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Ökumenik und Dogmatik der Evangelisch-Theologischen Fakultät an der Ruhr-Universität Bochum. Sie promovierte zum Einfluss lateinamerikanischer Befreiungstheologie im Ökumenischen Rat der Kirchen in den 1960er- und 1970er-Jahren. Von Dezember 2014 bis Januar 2015 forschte sie in New York zu postökumenischen und interreligiösen Beziehungen in urbanen Räumen.
