Schluss mit dem Triumphalismus
Michail Gorbatschow hat selten offen über seine persönliche Bilanz des großen Umbruchs gesprochen, für den sein Name wie kein anderer steht. Wer aber die Chance hatte, ihn einmal in einer sehr kleinen Runde zu hören, wird niemals den Ausdruck tiefster Verbitterung vergessen, mit dem er feststellte: Kein Staatsmann im Westen habe verstanden, dass das von ihm angestrebte gemeinsame »Haus Europa« auch eine tief greifende Erneuerung der westlichen Strukturen, Institutionen und Denkweisen erfordert hätte, um eine völlig neue, einmalige Zukunftsperspektive für den ganzen Kontinent zu eröffnen. Im gesamten westlichen Staatensystem habe nur ein Triumphalismus ohnegleichen und Siegermentalität geherrscht. Das sei am Ende der Grund gewesen, warum Russland nach dem politischen Ausverkauf einen Machtmenschen wie Wladimir Putin geradezu gebraucht hätte, wollte es nicht gänzlich aus der Weltpolitik verschwinden.
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Antje Vollmer, geboren 1943, Theologin, war viele Jahre Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen und von 1994 bis 2005 Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages. An dem oben stehenden Text, den die Redaktion gekürzt hat, hat der Außenpolitikexperte Hauke Ritz mitgearbeitet.
