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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2021
Der Inhalt:
Religion & Kirchen

Bücher
»Haben Sie die alle gelesen?«

Das ist eine törichte Frage angesichts einer privaten Bücherwand. Wer so fragt, hat das Wesen einer Bibliothek nicht verstanden.
von Christoph Fleischmann vom 24.10.2021
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»Überraschendes entdeckt man im Halbdunkeln, das oberflächlichen Blicken entzogen ist.« (Foto: istockphoto/pixhook)
»Überraschendes entdeckt man im Halbdunkeln, das oberflächlichen Blicken entzogen ist.« (Foto: istockphoto/pixhook)
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Zum Leidwesen meiner Mitmenschen lebe ich manchmal in anderen Welten. »Papa, wo bist du gerade?« Meine Gedanken hängen in Texten, die ich gelesen habe, oder an Bildern, die aus diesen Texten entstanden sind. Die Welten stoßen sich dann aneinander, auch wenn sie beide nur für mich erlebbar sind. Für die anderen sind diese anderen Welten allenfalls sichtbar in den Büchern im Regal, die sich zu einer Bibliothek vereinen.

»Haben Sie die alle gelesen?« Das ist eine törichte Frage angesichts einer privaten Bücherwand. Wer so fragt, hat das Wesen einer Bibliothek nicht verstanden. Bücher zu kaufen, die man nicht sofort liest, ist keine sinnlose Sammelleidenschaft, sondern der Aufbau einer Bibliothek, die sich ja gerade dadurch auszeichnet, mehr Bücher zu enthalten, als man gelesen hat. Stellte man sic

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Dorothea G. May 19.11.2021:
Dieser Artikel hat mich tief berührt. Ich besitze eine umfangreiche Bibliothek, die durch unterschiedliche Nachlässe und natürlich eigene Erwerbungen erwachsen ist. Viele Bücher haben mich seit Langem begleitet, sind mir wohlvertraut und werden immer wieder hervorgeholt. Es geschieht aber auch, dass ich an ein Regal trete, spontan einen Band in die Hand nehme und staunend öffne. Manchmal entdecke ich Widmungen oder nur einen Namen lieber Menschen darin und wundere mich: Ich hätte nie gedacht, dass meine Mutter und mein Vater dieses Buch besessen und gelesen haben. Und dann kann es vorkommen, dass mich gerade dieses Buch in ungeahnte Welten entführt. So ist meine Bibliothek nicht nur ein Spiegelbild meiner beruflichen und privaten Entwicklung und Interessen, sondern auch meiner Herkunft und Beziehungen – und immer wieder Quell von Überraschungen.

Günter Hüsch 19.11.2021:
Eines Tages stand ich in einem Buchladen am Kölner Neumarkt etwas ratlos vor den Regalen. Eine Buchhändlerin fragte, ob sie mir helfen könne. Ich antwortete, dass ich noch ganz im Banne von Hanns-Josef Ortheils »Erfindung des Lebens« stehe, das ich eben gelesen hatte. Die Dame gab mir eine Antwort, die mich bis heute begleitet: »Das Buch, das Sie gerade brauchen, das findet Sie!«

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