Zur mobilen Webseite zurückkehren

Diese eigenartige Unruhe

Unsere Seele hat ein feines Gespür dafür, was uns entspricht und was nicht mehr passt
von Irmtraud Tarr vom 28.12.2015
Artikel vorlesen lassen

Wer kennt sie nicht, diese Unruhe, diese unbestimmte Sehnsucht nach dem »Mehr«, die einen umtreibt, wenn man eigentlich alles erreicht hat und dennoch spürt: »Das kann doch nicht alles gewesen sein.« Besonders in der Lebensmitte verdichtet sich dieses Gefühl, weil einem bewusst wird: »Ich gehe der Endlichkeit entgegen, die Zukunft schmälert sich.« Oft beginnt diese Reise mit einem erhöhten Bewusstsein für die Gegenwart, weil man sie plötzlich von ihrem Ende her erlebt. Ein Blick, eine Rose, ein Farbenspiel, ein zarter Akkord, eine schnurrende Katze. All das wird intensiver denn je erlebt und dankbar bestaunt. Abschiedlich leben will erahnt, geübt, erobert werden. Für manche geht es darum, dem Ruf ihrer Seele zu folgen, wie diese Frau: »Eigentlich war ich zufrieden, zumindest dachte ich es, aber da meldete sich immer wieder etwas aus meinem Inneren, als würde mein bisher Ungelebtes nach mir rufen. So entschied ich nach vielen schlaflosen Nächten, meine beruflichen Projekte in der Stadt aufzugeben und aufs Land zu ziehen, um dort meinen eigenen Rhythmus zu finden. Endlich wollte ich selbst bestimmen, wer und wie ich sein will.« Der eigenen Seele zu folgen findet heutzutage nicht viel Resonanz. Man diagnostiziert es vorschnell als Burn-out, Alterspanik oder Sinnkrise. Denn wer folgt schon seiner Seele?

  Gedruckt + Digital  
  Digital  

Hören Sie diesen Artikel weiter mit P F plus:

4 Wochen freier Zugang zu allen P F plus Artikeln inklusive ihh Payper.

Jetzt für 1,00 Euro testen!

Publik-Forum
Publik-Forum
Einen Moment bitte...
0:000:00
1.0