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Von Vertrauen und Verletzlichkeit

von Anne Strotmann vom 22.06.2019
Ich bin wohl ein Kirchentag-Grinch. So viel enthusiastische Glaubensbegeisterung ist mir eher fremd. Aber es gibt Orte, an denen mir deutlich wird, was das alles soll
Die Angst ist immer da: Wem soll man noch vertrauen, wenn selbst der Pfarrer tötet? (Gafik unter Verwendung eines Motivs von © Deutscher Evangelischer Kirchentag)
Die Angst ist immer da: Wem soll man noch vertrauen, wenn selbst der Pfarrer tötet? (Gafik unter Verwendung eines Motivs von © Deutscher Evangelischer Kirchentag)

Ach, liebes Kirchentagstagebuch. Ich muss gestehen, dass ich mit dem Kirchentag immer erst ziemlich fremdle. So viel enthusiastische Glaubensbegeisterung auf einen Schlag ist einfach zu viel für mich. Überfüllt sind die U-Bahnen, Straßen, Säle. Ich weigere mich, diesen grünen Schal zu tragen. Und dann bin ich auch noch Katholikin.

Doch mit der ersten warmen Wiedersehensumarmung wird der Kirchentag-Grinch in mir sanfter. Im Zentrum Regenbogen ist der Ton achtsam und die Stimmung trotz ernster Themen so friedlich, dass ich mich bei einem entspannten Lächeln erwische. Und als ich es bis zum Thementag Feministische Theologie geschafft habe, sitze ich regelrecht erlöst auf meinem Papphöckerchen.

Dabei geht es auf dem Podium »Vertrauen und Verletzlichkeit« an die Substanz. Die Frauen, die hier sprechen, beschönigen nichts, kippen keine fromme Soße über Leid und Ungerechtigkeit, die Menschen auf dieser Welt treffen können. Die evangelische Theologin Michaela Geiger findet es verständlich, dass der beliebteste Taufspruch Psalm 91,11 ist: »Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf all deinen Wegen.« Wir sind verletzliche Wesen. Das ist eine Chance, weil es die Voraussetzung für Beziehung und Prozesse ist, für Lebendigkeit. Aber es geht auch eine große Gefahr davon aus, besonders, wenn Menschen die Verletzlichkeit anderer missbrauchen und von ihr profitieren.

Wem soll man noch vertrauen, wenn der Pfarrer tötet?

Die Traumatherapeutin Esther Mujawayo-Keiner teilt mein Misstrauen gegen den Kirchentagsenthusiasmus. Sie hat wesentlich schwerwiegendere Gründe. Esther Mujawayo-Keiner hat den Völkermord 1994 in Ruanda überlebt und erzählt: »Di

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