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Sonntagsreden, Werktagsgeschäfte

von Bernhard Rieger vom 08.12.2011
Der katholische Weltbild-Konzern ist in die Schlagzeilen geraten. Öffentlich wird über »unmoralische« Nischen im Sortiment debattiert. Die Kirche will das Unternehmen jetzt verkaufen. Doch ihre Verantwortung für die Belegschaft kann sie so nicht abschütteln. Offener Brief eines Insiders
Gefangen im aggressiv geführten Wettkampf mit dem Konkurrenten Thalia? Der Weltbild-Konzern wird verkauft. (Foto: Rieger)
Gefangen im aggressiv geführten Wettkampf mit dem Konkurrenten Thalia? Der Weltbild-Konzern wird verkauft. (Foto: Rieger)

Man dürfe nicht während der Woche dem zuwider handeln, was man an Sonntagen predige, wurde gesagt. Und aus diesem Grund hätten die katholischen Bischöfe entschieden: Den Weltbild-Konzern müssen wir loswerden.

Doch mit der Veräußerung des Unternehmens lässt sich die Verantwortung der Eigentümer und der Geschäftsführer nicht einfach so mitverkaufen. Insbesondere nicht die Verantwortung für Tausende von Beschäftigte, die mit ihrer Arbeitsleistung den Konzern groß gemacht haben. Nun wird ihre Zukunft aufs Spiel gesetzt.

Wenn die christliche Lehre nicht als bloße Sonntagsbotschaft verstanden werden soll, die werktags nichts mehr gilt, dann müssen deren Grundsätze sich gerade hier und jetzt bewähren: Die bei Weltbild beschäftigten Menschen haben ein Recht darauf, dass ihre Situation ernst genommen wird, dass sie Anerkennung und Wertschätzung erfahren. Doch genau da treten deutliche Mängel zu Tage.

Die extreme Wachstumsorientierung des Konzerns während der vergangenen Jahre hatte ihren hohen Preis. Ein sich immer stärker auf Marktanteile, Umsatzzahlen und Gewinnerwartungen verengender Blick hat ethische Orientierung und soziale Verantwortlichkeit ins Abseits gedrängt. Die Kirche trägt Verantwortung für die Kollateralschäden eines weitgehend unkontrollierten Unternehmensausbaus, der ein mittlerweile milliardenschweres Handelsimperium entstehen ließ. Die Folgen dieser rasanten Expansion beschränken sich keineswegs auf das Zulassen etwaiger »unmoralischer« Nischen im Sortiment.

Das eigentlich Anstößige sind nicht die Bücher....

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