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Ankommen, durchatmen

von Eva-Maria Lerch 10.05.2018
Immer, wenn ich in Münster aus dem Zug steige, spüre ich, wie etwas Schweres von mir abfällt. Ich gehe über die Salzstraße Richtung Domplatz, atme tief durch, fühle eine leise Beschwingtheit. Und so ist es auch diesmal, als ich hier ankomme, um über den Katholikentag zu berichten
"Immer, wenn ich in Münster aus dem Zug steige, spüre ich, wie etwas Schweres von mir abfällt. Ich gehe Richtung Domplatz, schon von Weitem sehe ich die Türme. Ich atme tief durch, fühle eine leise Beschwingtheit..." (Foto: pa/dpa/Robert B. Fishman)
"Immer, wenn ich in Münster aus dem Zug steige, spüre ich, wie etwas Schweres von mir abfällt. Ich gehe Richtung Domplatz, schon von Weitem sehe ich die Türme. Ich atme tief durch, fühle eine leise Beschwingtheit..." (Foto: pa/dpa/Robert B. Fishman)

Schon am Bahnhof sehe Ich die weißen Pavillons in der Sonne aufstrahlen, lasse mich von den freundlichen Menschen darin begrüßen und mit Stadtplan ausstatten, hänge mir das türkisfarbene Bändel mit dem Katholikentagsausweis um, schaue auf die Fahnen mit dem Motto »Suche Frieden«. Und freue mich, dass ich da bin.

Hier in Münster habe ich Ende der siebziger Jahre Theologie studiert. Als katholisches Mädchen vom Land war ich in einem engen religiösen Umfeld aufgewachsen, die religiöse Praxis war durch viele Vorschriften und Verbote geprägt und durch zahlreiche Glaubenssätze, die mit dem modernen Weltverständnis kollidierten.

Dann landete ich hier gleich zu Beginn in einem Seminar von Herbert Vorgrimler: »Die Rede vom befreienden Gott«. Ich erfuhr, dass schon der Gott des Ersten Testamentes ein Gott war, der die Menschen in die Freiheit führen will. Dass auch Jesus seine Mitmenschen nicht verdammen, sondern zum Leben befreien wollte. Und ich hörte von den Christen in Lateinamerika, die mit der Befreiungstheologie eine politische Botschaft lebten, die Option für die Armen und Unterdrückten. Auch die Studenten am theologischen Seminar diskutierten beständig über diese Fragen, so locker wie engagiert – und ließen auch mich diesen befreienden Geist inhalieren.

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Jahrzehnte später bin ich nun hier in Münster beim Katholikentag. In der Pressekonferenz zur Eröffnung in der Halle Münsterland höre ich Felix Genn, den als eher konservativ geltenden Bischof von Münster, wie er die anwesenden Journalisten dazu aufruft, sich den Machthabern dieser Welt mit einer kritischen und wahrhaftigen Berichterstattung entgegenzustellen. Er erklärt, dass auch die katholische Kirche diesen kritischen Journalismus braucht, »auch wenn uns das nicht immer passt«. Und er richtet sich gegen alle, die gerade in diesen Tagen Juden und Muslime anfeinden, plädiert für einen befreiten und offenen Dialog unter den Gläubigen der verschiedenen Religionen.

Im Katholikentagsprogramm finde ich Einladungen wie »Frag den Imam«, »Alles steht Kopf im Labyrinth des Glaubens«, Workshops zu Homosexualität, Transidentität, zu Migration und Pazifismus.

Noch einmal atme ich tief durch. Und bin guter Hoffnung, dass sie hier in Münster auch jetzt wieder hörbar wird: Die Rede vom befreienden Gott.

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