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Abendmahls-Cha-Cha-Cha

von Britta Baas 27.06.2018
»Rück – vor – Cha Cha Cha«: Die Schrittfolge eines kubanischen Tanzes hat fatale Ähnlichkeit mit dem Kommunion-Streit zwischen München und Rom. Die deutschen Bischöfe und ihr Chef, Kardinal Marx, sind in der Auseinandersetzung jetzt da gelandet, wo man beim Cha-Cha-Cha viel Energie lässt: auf der Stelle. Dringlich wird eine Petition, die fordert: Keine Ausgrenzung am Tisch des Herrn!

Wie viel Energie kann man in fünf Monaten in einem Streit verbrauchen? Vermutlich führen die deutschen Bischöfe darüber keine Statistik. Dennoch wird sich der ein oder andere unter ihnen schon mal gefragt haben, ob es denn mit rechten Dingen zugehen kann, wenn man mit Verve eine gute Sache beginnt, dann aber nicht vorwärts kommt – und am Ende auf genau jener Stelle tritt, die man im Tanz um das Abendmahl eigentlich schon »übertanzt« zu haben glaubte.

Die Bischöfe veröffentlichen ihr Papier (nicht)

Der bizarre Streit um die mögliche Zulassung evangelischer Christen zur katholischen Kommunion hat in diesen Stunden zu einer »Kompromiss-Veröffentlichung« der katholischen Deutschen Bischofskonferenz geführt. Konkret heißt das: Die Bischöfe haben den Text ihrer »Orientierungshilfe« – wie sie ihn mehrheitlich im Februar beschlossen hatten – publik gemacht. Wohlweislich aber nicht als »Pastorale Handreichung der Bischofskonferenz« – was sie ursprünglich wollten. Sondern als Dokumentation einer Suchbewegung, deren Nutzung – oder Nicht-Nutzung – nun ausdrücklich jedem einzelnen Ortsbischof überlassen wird. Der Evangelische Pressedienst (epd) analysiert dies auf treffliche Weise. Dort heißt es: »Bischöfe dürfen Abendmahls-Handreichung zur Orientierung nutzen«. Und natürlich heißt das: Jene Bischöfe, die von Anfang an dagegen waren, werden sie genüsslich im Kamin ihrer Bischofswohnung verbrennen – oder im hauseigenen Tiefkühlfach »auf Eis« legen.

Gewissensfreiheit? Gilt nicht so einfach für jeden!

Die katholischen Bischöfe Deutschlands stehen mit dem heutigen Tag genau dort, wo sie im Februar 2018 bei ihrer Frühjahrsvollversammlung angesetzt hatten. Mit Dreiviertelmehrheit waren sie damals dafür, die vielen interkonfessionellen Ehen, die in Deutschland geschlossen werden, am Tisch des Herrn zu würdigen. Sie wollten – schlicht formuliert –, dass Gewissenfreiheit für den Gang zur Kommunion gilt. Wenn ein gemischt-konfessionelles Paar überlegt und mit ehrlichem Wunsch nach Tischgemeinschaft zur Kommunion gehen wolle, solle es das auch können. So war der Plan.

Zunichte gemacht wurde er durch eine Bischofsminderheit, die in einem Brandbrief nach Rom mit dramatischen Worten die Richtlinienkompetenz des Papstes beschwor. Es gehe in der Kommunionfrage um nichts weniger als »um Leben und Tod«, schrieb der Kölner Kardinal Woelki, Anführer der Gruppe, nach Rom. Und während der Papst zunächst auf Marx-Linie blieb, die Bischofskonferenz selbst die Sache entscheiden lassen wollte, hießt es Anfang Juni aus Rom: Stopp! Keine Handreichung! Kein heiliges Brot für Protestanten! Zumindest nicht nach eigener Gewissensentscheidung. Stattdessen aber nach römischer »Ordo«: Die Kirchenhierarchen selbst sollten es sein und bleiben, die den Gang zum Tisch des Herrn erlauben oder verbieten sollten. In jedem einzelnen Fall.

»Das hat mit Macht zu tun«

Nun ist es genauso gekommen, wie die Konservativen es wollten. Keine Einladung an konfessionsverschiedene Paare. Keine autonomen Gewissensentscheidungen. Keine Entmachtung der Kirchenherren in dieser Frage. Der Gang zur Kommunion ist wieder zu dem gemacht worden, was in der Praxis lange überholt ist: Eine Machtfrage für die, die Zulassungen aussprechen oder untersagen.

Zu heftig gesprochen? Wohl kaum. Es ist beeindruckend und erschütternd zugleich, Worte des katholischen Ökumenebischofs Gerhard Feige zum Abendmahlsstreit zu lesen. Nicht nur hält er die Hardliner unter seinen Mitbrüdern offenbar für nicht reif, die Errungenschaften des ökumenischen Miteinanders der zurückliegenden Jahre zu würdigen. Er sagt auch klar: Die Ablehnung jedes noch so kleinen Schrittes in der Ökumene und ganz besonders im Abendmahlsstreit habe »auch mit Macht zu tun«. Einige Bischöfe und Kardinäle wollten »um jeden Preis ein System aufrechterhalten, in dem das Lehramt bzw. die Bischöfe die Regeln aufstellen«.

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Petition an den Papst: Jetzt unterschreiben!

Keine Ausgrenzung am Tisch des Herrn!

Retten wir gemeinsam die Ökumene!/ mehr

Ökumene geht! Das wäre das Zeichen gewesen!

Und genau darum geht es am Ende: Wer bestimmt, wer seinen Fuß während der Messe in Richtung der Kommunion-Spender lenken darf? Hätte es eine gemeinsame Handreichung der Bischofskonferenz gegeben, die Christinnen und Christen in ihrer Gewissensfreiheit gestärkt hätte, wäre das ein großes und wichtiges Signal für ganz Deutschland gewesen: Ökumene geht!

Im Text der Orientierungshilfe – die nun nur noch ein interessantes Papier zur freien Verfügung jener ist, die sich freiwillig damit beschäftigen möchten – heißt es u. a.: »Wir zeigen, wie Eheleute, die in einer konfessionsverbindenden Ehe leben, in pastoraler Begleitung zu einer Gewissensentscheidung kommen können, der sie öffentlich in der katholischen Kirche Ausdruck verleihen können...« Und später: »Die Handreichung gibt eine Orientierung für einen persönlich verantworteten und kirchlich anerkannten Weg...«

»Mit Verboten ist nichts mehr zu holen«

Nun ist nichts aus der Gewissensfreiheit geworden. Da wäre »Macht abgeben« ein Thema gewesen. Feige sagt: »Das wollen wohl manche nicht, vielleicht, weil sie einem vorkonziliaren Kirchenbild verhaftet sind.« Es klingt verzweifelt, wenn in einem Interview mit der FAZ zu lesen ist, wie er formuliert: »Welchen Sinn sollen Regeln haben, die nicht mehr verstanden und erst recht nicht mehr akzeptiert werden? Mit Verboten ist nichts mehr zu holen.«

Aber der Vatikan hat, zusammen mit sieben deutschen Diözesanbischöfen, eben doch darauf gesetzt, dass die alten Regeln einzuhalten sind. Regeln der ORDO. Der kirchlichen Ordnung, in der es ein Oben und ein Unten, Priester und Laien, Rechtssetzer und Rechtsbefolger geben muss.

Dass sich das weltliche Recht immer dann wandelt, wenn sich die Welt gewandelt hat, wenn das alte Recht nicht mehr auf die neue Wirklichkeit anzuwenden ist, übersetzt die römische Kirche nicht für sich. Sie hält – offenbar auch unter einem vermeintlichen Reformpapst Franziskus – an der alten Rechtsordnung fest. In Teilen ist diese für sie göttlicher Natur. Und erstaunlicherweise billigen die Römer dem lieben Gott keine Veränderungsfähigkeit zu.

Wie geht es nun weiter?

Der Papst möchte – so sagte er in einem seiner unorthodoxen Flugzeug-Interviews, diesmal auf der Rückreise vom Genfer Geburtstag des Ökumenischen Rates der Kirchen – ein Papier zur Sache veröffentlichen. Der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz wiederum hat erklärt, man wolle sich mit der Kommunion-Frage bei der Herbstvollversammlung der deutschen Bischöfe erneut beschäftigen. Schon sind aber die Bewahrer des Status Quo in den Startlöchern: Der Regensburger Bischof Voderholzer, auf der Seite Woelkis, will alles noch einmal theologisch in Rom klären lassen. Als Mitglied der Glaubenskongregation verlange er eine »vertiefte Untersuchung«. Das klingt nach Überwachungsstaat. Nach Inquisition. Und nach entschlossener Abgrenzung von der nicht-katholischen Welt.

Kommentare
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Heidrun Meding
01.07.201809:50
Die führenden Personen innerhalb der katholischen Kirche haben in Sachen Ökumene eigentlich nur eines im Sinn: Die Rückführung der protestantischen Kirche(n) in den römischen Schoß.
Dies hat nicht zuletzt der emeritierte Papst Joseph Ratzinger "durch die Blume" immer wieder zu erkennen gegeben.
Mir ist deshalb unverständlich, weshalb die evangelische Kirche in Deutschland die ökumenischen Beziehungen dennoch fortführt.
Die inzwischen erreichte Sackgasse dürfte auch für Gutwillige und Gutgläubige längst erkennbar sein. Am Ende gibt es für die nicht-katholischen Kirchen nur einen Weg zurück, weil die römischen Kirchenoberen eine Teilnahme ihrer christlichen Glaubensschwestern und Glaubensbrüdern am Abendmahl (Kommunion) nicht akzeptieren wollen. Aus Eigennutz, aus Überheblichkeit? Diese Frage kann nur der Heilige Geist beantworten, wenn er denn überhaupt angerufen wird.
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