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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2021
Mensch werden
Die geheimnisvolle Macht der Verletzlichkeit
Der Inhalt:

Kinotipp
Der Mönchschüler mit dem Smartphone

von Birgit Roschy vom 17.12.2021
Als er ins Kloster auf 4000 Metern Höhe ging, wollte er Lama werden, jetzt daddelt Peyangki sogar beim gemeinsamen Beten. »Sing me a Song« ist ein Film über Sehnsucht, Enttäuschungen und das Internetzeitalter.
Desillusioniert: Peyangkis Begegnung mit dem Mädchen, das ihm Liebeslieder übers Smartphone sang, verläuft anders als gedacht (Foto: zeroone Filmproduktion)
Desillusioniert: Peyangkis Begegnung mit dem Mädchen, das ihm Liebeslieder übers Smartphone sang, verläuft anders als gedacht (Foto: zeroone Filmproduktion)

Kino. »Ich will Lama werden«, sagte der achtjährige Peyangki lächelnd in die Kamera. Und erzählte, wie sehr er sich darauf freue, dass sein abgeschiedenes Kloster, auf 4000 Meter Höhe im Königreich Bhutan gelegen, bald an das Strom- und Straßennetz angebunden werde. Zehn Jahre später ist dem nun 18-Jährigen das Lächeln fast vergangen. Bedenke gut, was du dir wünschst, so könnte die melancholische Botschaft dieses Dokumentarfilms lauten, der an den Film »Happiness« von 2013 anknüpft. In dieser Langzeitbeobachtung eines buddhistischen Mönchsschülers verdichten sich die Folgen des Einflusses digitaler Technologien. Das Himalaya-Panorama ist nach wie vor atemberaubend, doch Peyangkis Blick klebt nun auf dem Smartphone. Er daddelt sogar beim gemeinsamen Beten. Doch nicht nur Spiele fressen die Zeit, die er für das Studium buddhistischer Schriften braucht. Über WeChat hat er Kontakt zu einer jungen Frau aufgenommen, die ihm Liebeslieder vorsingt. Gegen seine Sehnsucht können weder die Standpauke seines Meisters noch die sanften Worte seiner Mutter etwas ausrichten. Er trampt in die Hauptstadt Thimphu, um Ugyen zu treffen. Sein Reifungsprozess, eine schmerzliche Desillusionierung, kommt ohne Off-Kommentar aus. Wirken manche Szenen von Peyangkis Begegnung mit seiner Angebeteten nachinszeniert, so ist seine Verlorenheit authentisch. In kleinen Details findet der Film sprechende Bilder für die Verwerfungen des Internetzeitalters, die uns genauso angehen wie den jungen Mönch.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 24/2021 vom 17.12.2021, Seite 55
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