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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2019
Respekt. Vertrauen. Versöhnung
Was der Mensch zum Leben braucht
Der Inhalt:

Noch einmal neu anfangen dürfen

von Christian Feldmann vom 20.12.2019
Der Dominikaner Jean-Joseph Lataste gründet 1866 einen Orden für ehemalige »Zuchthäuslerinnen«. Eine Provokation

Es war eine verrückte Idee: Mitte des 19. Jahrhunderts gründete der Dominikaner Jean-Joseph Lataste im Osten von Frankreich das Kloster Bethanien. Von den zwölf Schwestern waren vier ehemalige Zuchthäuslerinnen. Strenge Heime, wo Ordensleute »gefallene« Frauen mit viel Buße und harter Arbeit auf den Weg der Tugend zurückführen wollten, gab es schon. Doch Latastes Programm stellte eine unerhörte Provokation dar: Aus dem Zuchthaus entlassene Frauen, die in sich eine Neigung zum Klosterleben spürten, sollten in seinem Konvent Aufnahme finden – gleichberechtigt, mit voller Würde und allen Pflichten. Entsprechend heftig waren die Widerstände.

Als Sohn eines querköpfigen, antiklerikalen, aber keineswegs atheistischen Weinbauern in Cadillac am Ufer der Garonne wusste Alcide, wie er damals noch hieß, früh vom Los der Gefangenen. Im Ort stand ein altes

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