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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2014
Handeln, als ob es das Gute gäbe
Weihnachten
Der Inhalt:

»So was Tolles hab ich noch nie gesehen«

von Sylvia Meise vom 19.12.2014
Aus Geldmangel soll kein Kind auf Ferien verzichten. Deshalb bietet André Zimmermann besondere Freizeiten an

Es ging mir unter die Haut: Jonah, ein sonst eher cooler 15-Jähriger, war zum ersten Mal am Meer – und sagte plötzlich: »So was Tolles hab ich noch nie gesehen.« Fast wäre Jonah nicht dort gewesen, denn die Eltern konnten das nicht finanzieren. Deswegen hatte ich Geld aus eigener Tasche zugeschossen, doch auf Dauer war das keine Lösung … Also haben wir Betreuer – meine Frau Meike, Jörg Schwaab, Marc Dallwitz, seine Freundin Michelle Christ, Adelheid und Wolfgang Jeensch und ich – den Verein Erlebnis-Freizeit Kids on Tour gegründet. Nun können wir Geld von Freunden und Förderern einwerben und dauerhaft Kindern wie Jonah solche Ferienfreizeiten ermöglichen. Wir fahren zweimal im Jahr – zehn Tage an die Ostsee, sieben Tage in den Spessart.

Wir bedienen die Kinder nicht, sondern alle packen mit an. Gemeinschaftliches Planen, Kochen und Aufräumen ist uns sehr wichtig, denn so kommt man ganz ins Gespräch. Oft reden die Kinder und Jugendlichen gerade dann über das, was sie im Innersten bewegt. Leider gibt es so viele Anlässe, bei denen alle gegeneinander arbeiten, bei denen sich die Kinder permanent beweisen müssen, so viel Druck, dem sie ausgesetzt sind. Deshalb ist es wichtig, dass ihnen ermöglicht wird, mal eine echte Auszeit zu nehmen. Etwas anderes kennenzulernen. Das ist unser Ziel. Eigentlich heißt es immer, Zehnjährige und Siebzehnjährige, das gehe nicht zusammen.

Wir sehen das anders: Wenn neue Kinder mitfahren, merkt man kaum, dass sie neu sind. Die Großen nehmen sich ihrer an, erklären ihnen die Regeln und schauen darauf, dass sie eingehalten werden. Was die Kinder bei uns an Sozialem lernen, verändert sie – über die Freizeit hinaus. Das bestätigen uns die Eltern häufig. Sie werden selbstbewusster und stellen fest: Ich muss mich nicht immer mit anderen vergleichen. Ich bin gut, wie ich bin, und meine Schwächen sind auch in Ordnung …

Wenn sie das mitnehmen, ist das das größte Geschenk für uns. Sie erfahren bei den Fahrten, dass es überhaupt kein Problem ist, wenn man irgendwo nicht der Beste ist. Und wie man Handikaps ausgleichen kann, indem man ein Team bildet. Seit 16 Jahren organisiere ich nebenberuflich solche Freizeiten, und die meisten fahren immer wieder mit. Die Sommerfreizeit 2015 ist schon jetzt ausgebucht. Mein Traum ist, dass einige dieser Kinder später selbst als Betreuer mitfahren werden. Dann wäre der Verein ni

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