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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2014
Handeln, als ob es das Gute gäbe
Weihnachten
Der Inhalt:

Die vergessene Gefahr

von Bettina Röder vom 19.12.2014
Trotz zahlreicher Kriege spricht kaum jemand mehr über die Gefahr durch Atomwaffen. Doch jetzt starten Diplomaten, Politiker und die Friedensbewegung neue Initiativen

Atomwaffen töten, selbst wenn sie nur getestet werden. Zu dieser vergessenen Gefahr fand Anfang Dezember in Wien eine »Konferenz zu humanitären Auswirkungen von Atomwaffen« statt.
Vertreter aus 158 Staaten, insgesamt 1600 Menschen, waren aus aller Welt angereist, darunter Diplomaten, Politiker und Friedensbewegte. Zum ersten Mal nahmen auch offizielle Repräsentanten aus den Vereinigten Staaten von Amerika und Großbritannien teil. Zum Auftakt verwies UN-Generalsekretär Ban Ki-moon in einer verlesenen Botschaft auf die »Sinnlosigkeit, die Mittel unserer gegenseitigen Zerstörung für viel Geld zu modernisieren – während wir an den Herausforderungen scheitern, die Armut, Klimawandel, Extremismus und die Anhäufung konventioneller Waffen an uns stellen«.

Wie sehr die Gefahren der Atomrüstung in Vergessenheit geraten sind, zeigt das Thema der Atomwaffentests. Obwohl schon 1990 von 155 Staaten unterschrieben, ist der Vertrag über das Verbot von Atomwaffentests noch nicht in Kraft getreten, weil US-Präsident Barack Obama den Vertrag nicht ratifiziert hat. Der amerikanische Kongress hindert ihn daran. So finden bis heute in Pakistan, Indien und Nordkorea unterirdische Tests statt.

Wie lange Atomwaffentests nachwirken, schilderte der Außenminister der Marschallinseln, Tony de Brum. Auf den dazugehörigen kleinen Inseln Bikini und Ron negalb führten die USA in den 1980er-Jahren Atomwaffentests durch. Die Menschen wurden zwar umgesiedelt. Doch als sie zurückkamen, waren Boden, Pflanzen, Luft und das Wasser radioaktiv verseucht. Und sie sind es bis heute. Die Folge: Bis zur dritten Genera tion kommen sogenannte Quallenbabys zur Welt, die viel zu große Köpfe haben und nicht lebensfähig sind.

Aus diesem Grund haben die Marschallinseln gegen alle neun Atomwaffenstaaten der Welt Klage beim Internationalen Menschenrechtsgerichtshof eingereicht, berichtet Wolfgang Schlupp-Hauck von der Mutlanger Friedenswerkstatt. Er nahm als Vertreter der deutschen Friedensbewegung an der Konferenz statt. Diese Klage betrifft sowohl die fünf offiziellen Atomwaffenstaaten: USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und China. Sie betrifft aber auch die drei Atommächte, die dem Atomwaffensperrvertrag von 1970 nicht beigetreten sind: Israel, Pakistan und Indien. Wie auch Nordkorea, das ein- und wieder ausgetreten ist.

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