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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2014
Handeln, als ob es das Gute gäbe
Weihnachten
Der Inhalt:

Das junge Ding und der reiche Prinz

von Zoë Beck vom 19.12.2014
Frauenbücher waren ein wichtiges Medium der Emanzipation. Wer sich aber heute in einer Buchhandlung nach Frauenliteratur erkundigt, landet meist vor einem Stapel von Liebesromanen. Was ist da passiert?

Frauenliteratur«: Wenn dieses Wort im Buchladen auf dem Regal stand, trug es den Klang von Gleichberechtigung und politischem Aktivismus in sich. Die Bücher, die hier präsentiert wurden, erzählten von Frauenschicksalen, stellten gängige Klischees von Weiblichkeit infrage, riefen nach der Gerechtigkeit der Geschlechter.

Es ist erst wenige Jahrzehnte her, dass sogenannte Frauenbücher ein Medium der Frauenbewegung waren. Damals entstanden in vielen Städten Frauenbuchläden. Die meisten sind inzwischen geschlossen. Weil viele Buchhandlungen schließen mussten. Aber auch, weil etwas mit dem Begriff »Frauenliteratur« passiert war: Was heute in den Regalen der Buchkaufhäuser unter dem Schlagwort »Frauen« angeboten wird, hat mit politischem Bewusstsein oder gar Feminismus nichts mehr zu tun.

Literatur von und für Frauen hat von jeher gegen ein negatives Image zu kämpfen. Autorinnen unterlagen von Anfang an dem Vorurteil, ihre Bücher seien nur seichte Unterhaltungsliteratur ohne Relevanz. Eine gewollte Ächtung durch die Männer im Literaturbetrieb, die allerdings nie ganz zutraf. Um ernst genommen und gelesen zu werden, verbargen die Schwestern Charlotte, Emily und Anne Brontë im 19. Jahrhundert ihre weibliche Identität und veröffentlichten ihre weltberühmten Bücher unter männlichen Pseudonymen.

Erst im 20. Jahrhundert änderte sich die Wahrnehmung der Literatur von Frauen langsam zum Guten. Und die Frauenbewegung der 1960er- und 1970er-Jahre machte die Frauenbücher zu einem angesehenen Genre. Wer sich aber heute in einer Buchhandlung nach »Frauenliteratur« erkundigt, landet meistens bei einem Stapel von Liebesromanen.

Die Buchbranche ist ein Markt wie alle anderen Märkte auch. Wer Bücher schreibt und verlegt und vertreibt, will damit meist Geld verdienen. Wer sie kauft, will für sein Geld das Gewünschte bekommen. Alle könnten damit zufrieden sein. Wäre da nicht das Frauenbild. Die Lektorate der Verlage geben ihren Autorinnen oft explizit ein ganz bestimmtes Frauenbild in Auftrag. Für manche Buchreihen existieren sogar schriftliche Vorgaben: Die Protagonistin ist am besten jung und unerfahren, auf der Suche nach sich und dem, was sie im Leben will – und sie trifft auf einen Mann, der ihr nicht nur die Welt zeigen kann, sondern auch finanziell und gesellschaftlich mehr zu bieten hat. Frau sucht Prinzen, sucht den gutaussehenden, aristokratischen, stolz

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